Author: Petra

  • OT: Unbekannte Geheimschrift

    OT: Unbekannte Geheimschrift

    Diese Geheimschrift hat nur indirekt mit Ockenheim zu tun. Genau genommen nur die Tatsache, dass sie dem Notizbuch eines Ockenheimers entnommen wurde. Nämlich dem Notizbuch meines Uropas Nikolaus Weinheimer.

    In dem (spätestens ab) 1903 bis 1924 geführten und nur sporadisch gefüllten Notizbuch finden sich vorwiegend landwirtschaftliche Angaben: Wo welche Pflanzen gekauft wurden, wann was geerntet wurde und wie die Ernte ausfiel, usw. Und mittendrin eine eine halbe Seite mit dieser Geheimschrift (zwischen 1908 und 1924 notiert).

    Da meine bisherige Suche nach der Geheimschrift ergebnislos war, bin ich dankbar für Hinweise oder sogar die Lösung. Möglicherweise hat er sie sich aber auch selbst ausgedacht.

    Bildnachweis: Petra Tabarelli: Geheimschrift aus Notizbuch von Nik. Weinheimer, CC BY-SA 3.0.

  • Die European Super League: Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich

    Die European Super League: Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich

    Ein Alleingang im Fußball, der jedoch genauso schnell in sich zusammenfällt, wie er startete. Was auf die 60-stündige Super League passt, ist nichts Neues, sondern ein altes Schema.

    Auch im Fußball gilt: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Weder 2021 die European Super League –noch 1920 die Gründung des ersten deutschen Profivereins, auf die der DFB mit einer Machtdemonstration reagierte, indem er allen involvierten Spielern und Vereinen mit Sperren drohte. Der Verband wollte den Amateurstatus für den Fußball über alle Ligen erhalten. Die Drohgebärde funktionierte. Nur wenige Fans besuchten die beiden einzigen Spiele des 1. Deutschen Berufs-Fußball-Club Berlin und der Hauptinitiator, Otto Eidinger, ging bankrott.

    Der DFB als Bewahrer des guten, alten Fußballs

    Vor 101 Jahren begann der Fußball in Deutschland so richtig zu boomen und Geld in die Kassen der Verbände und Vereinsbesitzer zu spülen. Die Spieler wollten ihren Anteil daran erhalten, doch der DFB erneuerte in den 1920er Jahren mehrfach sein Amateurstatut: Ja zum Fußball, nein zur Bezahlung. Dabei war eine Entlohnung der Spielerstars bereits vor dem 1. Weltkrieg bei den damaligen Topclubs gang und gäbe, wenngleich nur unter der Hand: Geld, Prämien, angenehme Jobs oder das Bereitstellen einer möblierten Wohnung waren die üblichen Entlohnungen, mit denen die Spieler ihren Arbeits- und damit Lohnausfall in ihrem Beruf kompensieren konnten.

    Dennoch war auch schon in den 1910er Jahren offensichtlich, dass er Fußball wirtschaftsgetrieben war. Das steigende Interesse an dem Sport führte zu ebenso steigenden Erwartungen. Für deren Erfüllung waren sowohl ein besseres Training wie auch bessere Spieler notwendig – und damit mehr Geld, das über Zuschauer*innen-Einnahmen gedeckt werden sollte. Je erfolgreicher der Verein, desto mehr Zuschauer*innen, aber für den Erfolg brauchte es immer besser ausgebildete Spieler.

    Zwischen Dominanz und Einlenken

    So, wie die European Super League nun nur aufgehalten wurde, aber nicht gestorben ist, war die Entwicklung auch vor etwa 100 Jahren in Deutschland: Es gab einige Top-Clubs in den Landesligen, deren Bestplatzierte zu Saisonende in Play-off-Spielen den Deutschen Meister unter sich ermittelten.

    Clubs wie der Hamburger SV, FC Nürnberg sowie der FC Bayern und FC Schalke 04 kritisierten die sportpolitische Vereinnahmung des Fußballs durch den DFB: Es sei offensichtlich, dass der Fußball nicht mehr nur zur Körperertüchtigung für potentielle Soldaten diene, sondern auch der Unterhaltung der breiten Bevölkerung. Doch der DFB blieb bei seiner Linie und ließ ab Februar 1925 die Vereine und Spieler noch stärker kontrollieren. Eine Konsequenz war, dass das Nationalteam in diesem Jahr kein Spiel mehr bestreiten konnte, weil den Spielern die Zeit zum Trainieren fehlte und eine Entschädigung der Trainingszeit dem DFB-Amateurstatut widersprach.

    Im Jahr 1930 kam es in Gelsenkirchen wie bereits 1885 im englischen Preston: Der DFB führte ein Exempel durch, erklärte 14 Schalke-Spieler aufgrund ihrer erhaltenen Entlohnung zu Berufsspielern und sperrte sie. Doch diesmal ließ auch die Gegenseite ihre Muskeln spielen und zeigte diverse weitere verdeckte Berufsspieler bei anderen Vereinen an. Die anderen Vereine reagierten aber nicht brüskiert, sondern solidarisierten sich mit dem FC Schalke 04. Der DFB fürchtete einen Machtverlust und hob die Sperren auf.

    Zeichen für ein Umdenken beim Verband? Nein, im Gegenteil. Denn nach seinem kurzen Einlenken erklärte der DFB dem Berufsfußball eine erneute Absage. Offenbar wähnte er sich als Tonangeber und rechnete nicht damit, was im Oktober 1930 geschehen sollte und was wiederum an den April 2021 erinnert: Es gab ein Treffen mehrerer großer deutscher Vereine, an dessen Ende die Einigung auf die deutsche Professionalismus-Reichsliga stand. Doch entgegen der Entwicklungen der Super League folgten mehrere Monate voller Diskussionen rund um Macht und Wirtschaftskraft. Am Ende stand eine vom DFB gesteuerte Reform, die die Vereine zum Einlenken brachte.

    Ein Blick in die Glaskugel

    Was bedeutet das nun für die Super League? Die Geister, die der Fußball durch seine Beliebtheit rief, wird er nicht los. Die Spirale des modernen Fußballs wird sich immer weiterdrehen. Das schnelle Ende der Super League zeigt aber auch den Einfluss der Fans und Fanorganisationen, nicht zuletzt über die sozialen Medien: Wir können zwar nicht ihre Drehbewegung aufhalten, denn für zu viele ist Fußball tatsächlich nur ein Entertainment. Aber die Geschwindigkeit der Drehbewegung lässt sich verlangsamen – so wie gerade geschehen.

    Ein Zitat, das Mark Twain in den Mund gelegt wird, lautet: Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich. Das trifft auch immer wieder auf dieses Prozedere im Fußball zu.

    Und die Geschichte zeigt: Ereignisse wie die Super League sind nicht neu und die Zukunft lässt sich nicht aufhalten, aber wir können sie gestalten.

  • “Ascendit in mare bestia” – Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX.

    “Ascendit in mare bestia” – Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX.

    Diese Hausarbeit habe ich im Sommersemester 2011 im Proseminar “Kaiser und Papst” bei Dr. Regina Schäfer (Geschichte, Uni Mainz) verfasst.

    Einleitung

    Kaum eine Persönlichkeit des Mittelalters wurde in so unterschiedlicher Weise charakterisiert wie Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen. Er stelle auf Grund seiner ausgeprägten vielfältigen Interessen für seine Zeitgenossen eine außergewöhnliche Persönlichkeit dar, weshalb die divergierenden Charakterisierungen zustande kamen. War er für seine Bewunderer stupor mundi, betrachteten ihn seine Gegner, im Besonderen die Päpste seiner Herrschaftszeit, als häretischen Herrscher, der ihre Macht behindern wollte.

    Die Gegnerschaft der Päpste lag zum einen am universellen Herrschaftsanspruch der Staufer, aber im Besonderen in der vom Papst empfundene „Einkreisung“ des Kirchenstaates nach der Vereinigung von imperium und regnum Siciliewährend der Regentschaft Friedrichs I. Barbarossa, die die Staufer zu personae ingratae der Päpste werden lies. Infolgedessen kooperierten die Päpste mit den kaiserfeindlichen, norditalienischen Städten wie Mantua, Perùgia oder Bologna. Dies bewirkte eine Spaltung Italiens in Guelfen und Ghibellinen

    Die Auseinandersetzung von Päpsten mit den Staufern im Allgemeinen soll in dieser Arbeit nicht thematisiert werden. Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach den eschatologisch-mystischen Hintergründen für diesen drastischen Vergleich des Papstes Gregors IX., der Friedrich II. als Antichristen beschreibt. Nachdem Gregor IX. Friedrich II. bereits 1227 exkommuniziert hatte, 1230 aber wieder aufhob, exkommunizierte er Friedrich II. erneut Ostern 1239. Es entbrannte zwischen den beiden Lagern eine heftige Propagandaschlacht. Die Enzyklika „Ascendit in mari bestia“ bildet den Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen.

    Diese Quelle, von der nur eine kurze Teilübersetzung ins Deutsche von Heinisch existiert, ist dauerhaft in der historischen Forschung unter verschiedenen Fragestellungen diskutiert worden. Über den eigentlichen Autor der Enzyklika, Rainer von Viterbo, liegt lediglich eine Untersuchung aus 1912.

    In meine Arbeit folgt auf eine Charakterisierung des Antichristen die Quellenkritik anhand besagter Enzyklika. Nach dem Kapitel zu der Lehre Joachim von Fiores und der Frömmigkeit Friedrichs II. schließt der Schlussteil diese Darstellung ab.

    Der Antichrist in der mittelalterlichen ordo-Vorstellung

    Im 13. Jahrhundert vollzogen sich viele grundlegende Veränderungen. Verbesserungen in der Landwirtschaft und neue Anbaumethoden brachten höhere Erträge, das Ausbleiben von Seuchen begünstigte ein rapides Bevölkerungswachstum. Eine zunehmende Stadtflucht bewirkte eine gesellschaftliche Mobilität, die mit Fortschritten in Theologie, Recht, Medizin, Mathematik, Architektur, Dichtung einherging und zu gesellschaftlichen Umbrüchen führte. Auf der anderen Seite galt im Mittelalter die gottgegebene Kontinuität als erstrebenswert. Veränderung und Wandel wurden als Zeichen des Bösen empfunden. Eine Veränderung der Welt wurde mit dem Niedergang der gottgewollten Ordnung, des mittelalterlichen ordo-Gedankens, gleichgesetzt. Jene tiefgreifenden Veränderungen wie sie sich im 13. Jahrhundert vollzogen, konnten nach der zeitgenössischen Vorstellung nur die Vorboten des Antichristen sein.[1]Vgl. Thomsen, „Ein feuriger Herr des Anfangs …“, S. 30.

    Der Antichrist galt als Personifizierung der widergöttlichen Kräfte, der die Menschen verführe. Bei seinem Erscheinen solle Christus auferstehen, ihn besiegen und damit auch das Ende der Welt einleiten.[2]Vgl: Manselli, R.: „Antichrist“. In: Lexikon des Mittelalters, Band 1. Darmstadt, 2009. Sp. 703. In den 1200 Jahren bis Friedrich II. wurden sowohl Personen als auch Volksstämme als Antichrist personifiziert und die Vorstellung über den Antichristen änderte sich. Die größte Veränderung kam durch den Zisterzienser-Abt Joachim von Fiore, auf dessen Vorstellungen in einem späteren Kapitel näher eingegangen wird.[3]Ebenda, Sp. 704.

    Nach der biblischen Offenbarung sollte zunächst das Nahen des Antichristen durch Kriege und Katastrophen aller Art angekündigt werden und der Vorgänger des Antichristen in Jerusalem seine Krone niederlegen. Dass Friedrich II. durch Verhandlungen mit Sultan Saladin Jerusalem zurückeroberte und sich dort – mangels der Geistlichkeit wegen des Interdikts – selbst zum Herrscher/König von Jerusalem krönte, wurde als Erfüllung jenes Teils der Offenbarung gedeutet.[4]Vgl. Stürner, Friedrich II, S. 474.

    Zeitgleich vollzog sich im Hochmittelalter eine Welle eschatologischer Erregung, die ihren Niederschlag beispielsweise in einer zunehmenden Kritik an der Verweltlichung der Kirche fand und in den Bewegungen der so bezeichneten Häretiker wie Waldenser, in den Bettelorden oder der Kreuzzugsbewegung.

    Die bekannteste heilsgeschichtliche Auslegung der Bibel geht auf Augustinus zurück. Auf seine Lehre von vier Weltreichen kann hier nicht näher eingegangen werden.[5]Vgl. Thomsen, „Ein feuriger Herr des Anfangs …“, S. 31. Besonders einflussreich waren die im hohen Mittelalter kursierenden endzeitlichen Weissagungen des Zisterzienser-Abtes Joachim von Fiore. Dieser galt schon zu seinen Lebzeiten als warnender und mahnender Prophet.[6]Vgl. Dante Alighieri: Comedia divina, Paradiso, Canto XII, Verse 140-141: “… il calabrese abate Giovacchino / di spirito prefetico dotato”.  Vgl. Auch Pásztor, J[oachim] v[on] Fiore. In: … Continue reading

    Quellenkritik: Kaiser Friedrich II. als Antichrist

    Die päpstliche Enzyklika „Ascendit in mari bestia“ wurde 1. Juli 1239[7]„Dat- Lat- Kal- Iulii, anno XIII.“ Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 654. von Papst Gregor IX. an alle Fürsten des christlichen Abendlandes versendet. Als Autor gilt Kardinal Rainer von Viterbo. Es ist eine rhetorisch sehr wohl überlegte Propaganda-Schrift mit dem Ziel, den Kaiser zu diffamieren.

    Die Enzyklika stützt sich auf die biblische Offenbarung des Johannes und beginnt fast wortwörtlich wie die Offenbarung 13,1. Kaiser Friedrich II. als Bestie dargestellt, die dem Meer entsteigt und damit bildlich als Antichristen.[8]„Ascendit de mari bestia blasphemie plena nominibus, que pedibus ursi et leonis ore deseuiens ac membris formata ceteris sicut pardus, os suum in blasphemias diuini nominis aperit, tabernaculum … Continue reading Der Text führt aus, Friedrich verfolge das Ziel, die Kirche zu zerstören und versuche, dies mit Lügen und Verbrechen zu erreichen.[9]„Ad hec idem mendacii filius, falsitates falsitatibus cumulans, ut quo plura mendaciorum retia orditus fuerit, eo grauioribus se doleat periculis irretitum, de nobis mendaci scriptura pronuntiat … Continue reading In der Enzyklika angesprochene Lästerungen beziehen sich auf ein Gerücht, Friedrich habe Christus, Moses und Mohammed die drei Betrüger des Erdkreises genannt, wobei zwei in Ehre und einer am Kreuz gestorben sei.[10]“Set quia minus bene ab aliquibus credi posset, quod se uerbis non illaqueauerit oris sui, probationes in fidei uictoriam sunt parate, quod iste rex pestilentie a tribus barattatoribus, ut eius … Continue reading Ebenso solle Friedrich sowohl die Binde- und Lösegewalt des Papstes wie auch die jungfräuliche Geburt Christi bestritten haben.[11]Vgl. Stürner, Wolfgang: Friedrich II. 1194 – 1250. Darmstadt 32009. S. 473. Friedrich sei ein hinterlistiger und erbarmungsloser Feind des Christentums und höre es sogar gerne[12]„[…] infirmus fide set sanus corpore, ut securius mentiretur Deo et ecclesiam falleret, omisso promisso passagio in lecto egri diebus aliquibus simulati recubuit ac Terram Sanctam incursibus … Continue reading, Antichrist genannt zu werden[13]„[…] qui gaudet se nominari preambulum Antichristi […]“ Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 653.. Im weiteren Verlauf belegt der Autor Friedrich II. mit biblischen Schreckensnamen wie Drache[14]„[…] per dictum F(redericum) […] quod licet draco iste […]” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 650., Skorpion[15]„[…] et in eam, quam fucatis deliniuit aliquando uerborum fallaciis, uirus effundere caude aculeo more scorpionis incepit […]” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. … Continue reading oder Hammer der Welt[16]“Set iste baculus impiorum, terre malleus uniuerse, conturbare terram, regna concutere et orbem desertum ponere cupiens, libertatem ecclesiasticam in dicto regno Sicilie, in obprobrium seruitutis … Continue reading. Auch die Anklage, Viterbo nicht bis zum Sieg verteidigt zu haben, findet sich in dieser Schrift wieder.[17]“Set forsan maculam opinionis sue hiis credit abolere conuitiis, qua se dura Viterbii moraretur inficiens, a facie hostium ecclesie non uerecundus aufugit, et ad defensionem suorum fidelium, quos … Continue reading

    Rainer von Viterbo war nicht von Beginn an Gegner Friedrichs. Er assistierte 1220 als Kardinalbischof seinem Onkel, dem damaligen Papst Innozenz III., bei der Kaiserkrönung Friedrichs.[18]Vgl. Brem, Ernst: Papst Gregor IX. bis zum Beginn seines Pontifikats. Ein biographischer Versuch. Heidelberg, 1911. S. 39 und Westenholz, Rainer von Viterbo, S. 42. Der offene Konflikt begann im Rahmen einer kriegerischen Auseinandersatzung, bei der es dem Heer Friedrichs nach längeren Kämpfen noch gelang, Rainers Heimatstadt Viterbo vor der revoltierenden römischen Stadtbevölkerung zu retten. Friedrich reiste in einer kritischen Phase der Auseinandersetzung ab und nannte gesundheitliche Beschwerden als Grund für diese verfrühte Abreise. Rainer warf ihm dagegen Flucht vor.[19]Vgl. Westenholz, Rainer von Viterbo, S. 45.

    Die Schrecken der Offenbarung und deren als Erfüllungsbeweis aufgeführte Deutung von Friedrich als Antichristen, sollten die Empfänger im Sinne des Papstes von Rainer von Viterbos sensibilisieren und von der Schuld Friedrichs überzeugen.[20]Vgl. ebenda, S. 127. Die Wirkung der Enzyklika muss immens gewesen sein und schürte die Angst vor einem drohenden Weltuntergang.[21]Vgl. ebenda, S. 130.

    Die Enzyklika wirkte über das Jahr 1239 hinaus und war die Basis des Konzils von Lyon, das von Gregor IX bereits berufen wurde, aber durch dessen Tod 1241 von seinem Nachfolger Innozenz IV erst 1245 abgehalten wurde.

    Dort wurden in Abwesenheit von Friedrichs II. nicht nur die Beschuldigungen wiederholt, sondern auch angebliche kirchenrechtliche Verfehlungen angeprangert. Der Papst sicherte sich die Zustimmung der Kardinäle für die Absetzungsbulle von Friedrich. Hatte Gregor VII. einst den Kaiser förmlich abgesetzt, so entzog Innozenz erstmals einem Gekrönten seine Ämter und Würden. Allerdings lies sich die Absetzung bis zum Tod von Friedrich II. im Jahre 1250 nicht durchsetzen.

    Die Lehre Joachims von Fiore

    In diesem Kapitel wird speziell auf die im 13. Jahrhundert sehr verbreitete Endzeit-Lehre des Abtes Joachim von Fiore eingegangen. Diese schaffte das Klima für die Angst vor dem Antichristen und dem darauffolgenden Ende der Welt.

    Für Joachim von Fiore bestand zwischen im Wortsinn zu fassenden geschichtlichen Begebenheiten des Alten und des Neuen Testaments eine weitgehende völlige Entsprechung (concordia). Deshalb sei es deshalb möglich, durch den Verlauf des Alten Testaments Schlüsse auf das Neue Testament und vor allem dort auf die dortige Offenbarung des Johannes zu ziehen.[22]Vgl. Lerner, Joachim von Fiore. In: TRE, Band XVII, S. 85. Die sieben Verfolgungen der Israeliten im Alten Testament stellt er die sieben Verfolgungen der Christen gegenüber. Durch concordia und dem Neuansatz in der Auslegung der Apokalypse fand Joachim von Fiore unterschiedliche, unabhängige Annahmen über das Jüngste Gericht. Letztendlich kam er zu dem Schluss, dass nach dem Tod des Antichristen unmittelbar vor dem Ende der Zeiten ein Zeit (sabbat) des Friedens und der Vollendung auf Erden stattfinden wird. Dieser Gedankengang führte zu seiner trinitarischen Geschichtsauffassung: Er gliederte die Zeit in drei Weltzeitalter (status) entsprechend der Trinitätslehre.[23]Vgl. ebenda, S. 86. Der erste status dauerte während des Alten Testaments, der zweite von Jesu Geburt bis ins Joachims Zeit. Entsprechend der concordia und der Berechnung, dass zwischen Abraham und Jesus 42 Generationen lebten, müsste auch das zweite status ungefähr im Jahre 1260 enden und das Nahen des Antichristen bevorstehen. Mit Beginn des Jüngsten Gerichts und der Rückkehr Christus‘ sah er den Beginn des dritten Zeitalters; des status‘ des Heiligen Geistes.[24]Vgl. Cohn, Ringen um das tausendjährige Reich, S.96.

    Der Gedanke, dass die Heilige Schrift einen verborgenen Sinn enthält, war nicht neu. Neu war, die Interpretation nicht nur für moralische und dogmatische Zwecke zu gebrauchen, sondern auch als Hilfsmittel zum Verständnis der Geschichte und zu Prognosen der künftigen Entwicklung zu verwenden. Joachim von Fiore verband Ereignisse der Bibel mit aktuellen Ereignissen.[25]Vgl. ebenda, S.94.Hier lässt sich eine Verbindung zu Papst Gregor IX. herstellen, der in seiner hier behandelten Enzyklika ebenfalls das Bibelereignis des erscheinenden Antichristen mit der Person Friedrichs II. gleichsetzte.

    Bis zum Erscheinen des Antichristen sollte ein neuer Mönchsorden[26]Franziskanerorden sah sich als den Mönchsorden an, der das Evangelium in aller Welt verkünden soll. Er stand im Propagandakampf gegen Friedrich II. auf der Seite des Papstes. das neue Evangelium in aller Welt verkünden. Aus diesem Orden sollten zwölf Patriarchen in Erscheinung treten, die die Juden bekehren und ein dux novus erscheinen.

    Joachim von Fiore vertrat die neuartige Auffassung von zwei aufeinander folgenden Antichristen: Einen mystischen Antichristen, z. B. als König oder Papst, und darauffolgend den eigentlichen Antichristen. Dreieinhalb Jahre vor dem Jüngsten Gericht sollte der erste Antichrist in Person eines weltlichen Königs die verweltlichte Kirche züchtigen, in ihrer gegenwärtigen Form vernichten und seine Herrschaft ausüben. Dann sollte der wirkliche Antichrist erscheinen. Nach dem Sturz dieses Antichristen sollte das Zeitalter des Heiligen Geistes beginnen.[27]Vgl. Cohn, Ringen um das tausendjährige Reich, S. 96.

    Die Frömmigkeit Friedrichs II.

    Für die Zeit während des Mittelalters ist es wichtig, zwischen persönlicher Frömmigkeit und Kirchenpolitik zu trennen, weil die Kurie im Mittelalter nicht nur religiöse, sondern auch wirtschaftliche und politische Macht war.[28]Vgl. Schaller, Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II, S. 128. Obwohl die Staufer waren ein stark gläubiges, christliches Herrschergeschlecht[29]Vgl. ebenda, S. 129., kam es immer wieder aus machtpolitischen Gründen zu schriftlichen und militärischen Auseinandersetzungen.

    Friedrich selbst förderte viele Klöster und Kirchen und beteuerte auffallend oft und stark seine Frömmigkeit.[30]Vgl. ebenda, S. 132. Er erhörte vor allem Bitten von denjenigen, die in Armut leben, irdischen Besitz verachten und darauf bedacht waren, himmlische Güter zu erwerben. Ebenso stellte er den Vorrang des Almosengebets gegenüber allen anderen Tugenden heraus. Bloße Frömmigkeit genüge ihm nicht, wenn sie nicht durch Nächstenliebe befestigt werde.[31]Vgl. ebenda, S. 129. Besondere Gunst des Kaisers hatte Friedrich nach Schaller für einen Ableger des Zisterzienserordens[32]Als Friedrich starb ließ er sich zum Empfang der Sterbesakramente die Kutte der Zisterzienser anziehen. Siehe Möhring, Weltkaiser der Endzeit, S. 214., den seine Eltern reich ausgestattet haben: San Giovanni in Fiore in Kalabrien, das Gründungskloster Joachim von Fiore. Friedrich förderte dieses Kloster wie kein anderes, da es seine Ideale vertrat: Weltabgewandtheit, Armut, Feldarbeit, Gebet, Kontemplation.[33]Vgl. Schaller, Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II, S. 135. 1220 bestätigte er wiederum alle Privilegien, die schon seine Eltern der Abtei vermacht hatten.[34]Vgl. Grundmann, Joachim von Fiore, S. 221.

    Friedrichs Frömmigkeits-Gedanken galten dem Kreuzzug, der Armutsidee und dem Endzeit-Glauben, die für ihn eng zusammengehörten:[35]Vgl. Schaller, Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II, S. 135. Der Kreuzzugsgedanke hatte immer eine eschatologische Komponente: Wiederkunft Christi nach Sieg über den Antichristen mit Hilfe der freiwillig Armen.[36]Vgl. ebenda, S. 141. Ob sich Friedrich und Joachim von Fiore kennen gelernt haben, ist nicht bekannt. Friedrich war bei Joachims Tod noch ein kleines Kind.[37]Vgl. Grundmann, Joachim von Fiore, S. 220. Herbert Grundmann vermutet, dass Abt Joachim von Fiore 1198 anlässlich der Erneuerung der Privilegien von Kaiser Heinrich VI. an die Abtei San Giovanni in Fiore durch Konstanze den kleinen König Friedrich gesehen haben könnte. Friedrich selbst wird aber unweigerlich durch Erzählungen von Abt Joachim gehört haben.[38]Vgl. ebenda, S. 221.

    Friedrich selbst sah sich weder als Endkaiser noch als Antichristen, sondern als novus dux oder novus rex im Sinne eines Erneuerers des Christentums vor der Ankunft des Antichristen.[39]Vgl. Thomsen, „Ein feuriger Herr des Anfangs …“, S. 43. In einem Schreiben an seine Geburtsstadt Jesi bezeichnete er diese als zweites Bethlehem, weil aus ihr der dux, der princeps des römischen Reiches, hervorgegangen sei. Offensichtlich sah er sich selbst als jenen novus dux.[40]Vgl. Möhring, Weltkaiser der Endzeit, S. 210. Und als Friedrich II. im Januar 1240 nach Rom zog, rief er die Einwohner Viterbos auf „Bereitet den Weg dem Herrn! Machet gerade seine Pfade!“[41]Vgl. die Bibelstellen Matth 3,3; Mar 1,3; Luk 3,4; Joh 1,23..[42]Vgl. Möhring, Weltkaiser der Endzeit, S. 210.

    Schluss

    Friedrich und Gregor konnten durch den harten Propagandastil gegeneinander kein offenes Einlenken erlauben, ohne einen gefährlichen Verlust an Glaubwürdigkeit und Rückhalt ihrer emotionalisierten Anhängerschaft zu riskieren. Die Unsicherheit der Zeitgenossen war sogar so groß, dass viele in der Todesmeldung des Kaisers ein vom Papst verbreitetes Gerücht vermuteten.

    Auch die Nachfolger von Gregor IX führten dessen Politik weiter.

    Gregor und Friedrich waren Kinder ihrer Zeit. Die Vorstellungen Joachim von Fiores waren in der damaligen Zeit allgegenwärtig. Die Gesellschaft war durchdrungen von dem Glauben an die bevorstehende Endzeit und gleichzeitig von der Angst des drohenden Weltuntergangs und dem Jüngsten Gericht gepeinigt.

    Es ist möglich, dass der Papst und Viterbo diese Stimmung geschickt für ihre eigenen Pläne nutzten. Man kann aber auch annehmen, dass auch die Kurie in dem Glauben an die Endzeit lebte und in Friedrich durchaus einen Feind der wahren christlichen Lehre sah. Die vielen mit Waffen ausgetragenen Kämpfe gegen den Papst und seine Verbündeten taten ihr übriges.

    Trotz aller Endzeitstimmung fanden in diesen Jahren unter der Herrschaft der Staufer wichtige Weichenstellungen für eine Erstarkung der kirchlichen Macht statt. Gregor IX und seine Nachfolger waren versierte Kirchenrechtler und geschickte Verfechter eigener Machtinteressen. Was bei Friedrich I. noch als gottgegebene Macht des Kaisers galt, hatte unter Friedrich II. keinen Bestand mehr. Die Trennung von Kirche und Staat war vollzogen.

    Quellen- und Literaturverzeichnis

    Quellenverzeichnis

    • Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 646ff.
    • Heinisch, Klaus J.: Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit. Darmstadt 1968.

    Literaturverzeichnis

    • Brem, Ernst: Papst Gregor IX. bis zum Beginn seines Pontifikats. Ein biographischer Versuch (= Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte 32). Heidelberg 1911.
    • Cohn, Norman: Das Ringen um das tausendjährige Reich. Revolutionärer Messianismus im Mittelalter und sein Fortleben in den modernen totalitären Bewegungen. Bern 1961.
    • Grundmann, Herbert: Studien über Joachim von Fiore. Darmstadt 1966.
    • Lerner, Robert R.: Joachim von Fiore. In: Theologische Realenzyklopädie, Band XXVI. Berlin/New York 1988.
    • Manselli, R: Antichrist. In: Lexikon des Mittelalters. Darmstadt, 2009. Sp. 703 – 705.
    • Möhring, Hannes: Der Weltkaiser der Endzeit. Entstehung, Wandel und Wirkung einer tausendjährigen Weissagung. Stuttgart 2000.
    • Pásztor, E.: J[oachim] v[on] Fiore. In: Lexikon des Mittelalters, Band 5. Darmstadt 2009. Sp. 485 – 487.
    • Schaller, Hans Martin: Die Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II. In: Gesellschaft für staufische Geschichte e. V. (Hg.): Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 15. Göppingen 1996.
    • Sommerlechner, Andrea: Stupor mundi? Kaiser Friedrich II. und die mittelalterliche Geschichtsschreibung. Wien 1999.
    • Stürner, Wolfgang: Friedrich II. 1194 – 1250. Darmstadt 3 2009.
    • Thomsen, Marcus: „Ein feuriger Herr des Anfangs …“. Kaiser Friedrich II.- in der Auffassung der Nachwelt (= Kieler historische Studien 42). Ostfildern 2005.
    • Töpfer, Bernhard: Das kommende Reich des Friedens. Zur Entwicklung chiliastischer Zukunftshoffnungen im Hochmittelalter ( = Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte, Band 11). Berlin 1964.
    • Westenholz, Elisabeth von: Kardinal Rainer von Viterbo (= Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte). Heidelberg 1912.

    Fußnoten

    Fußnoten
    ↑1 Vgl. Thomsen, „Ein feuriger Herr des Anfangs …“, S. 30.
    ↑2 Vgl: Manselli, R.: „Antichrist“. In: Lexikon des Mittelalters, Band 1. Darmstadt, 2009. Sp. 703.
    ↑3 Ebenda, Sp. 704.
    ↑4 Vgl. Stürner, Friedrich II, S. 474.
    ↑5 Vgl. Thomsen, „Ein feuriger Herr des Anfangs …“, S. 31.
    ↑6 Vgl. Dante Alighieri: Comedia divina, Paradiso, Canto XII, Verse 140-141: “… il calabrese abate Giovacchino / di spirito prefetico dotato”.  Vgl. Auch Pásztor, J[oachim] v[on] Fiore. In: Lexikon des Mittelalters, Band 5, Sp. 486.
    ↑7 „Dat- Lat- Kal- Iulii, anno XIII.“ Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 654.
    ↑8 „Ascendit de mari bestia blasphemie plena nominibus, que pedibus ursi et leonis ore deseuiens ac membris formata ceteris sicut pardus, os suum in blasphemias diuini nominis aperit, tabernaculum eius et sanctos qui in celis habitant similibus impetere iaculis non omittit. (…) caput, medium et finem huius bestie Fr. Dicti imperatoris diligenter inspicite”. Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 646. Vgl. mit den Bibelstellen Offb13,1, Offb 13,2 und Offb 13,4.
    ↑9 „Ad hec idem mendacii filius, falsitates falsitatibus cumulans, ut quo plura mendaciorum retia orditus fuerit, eo grauioribus se doleat periculis irretitum, de nobis mendaci scriptura pronuntiat […].” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 648.
    ↑10 “Set quia minus bene ab aliquibus credi posset, quod se uerbis non illaqueauerit oris sui, probationes in fidei uictoriam sunt parate, quod iste rex pestilentie a tribus barattatoribus, ut eius uerbis utamur, scilicet Christo Iesu, Moyse et Machometo, totum mundum fuisse deceptum, et duobus eorum in gloria mortuis, ipsum Iesum in ligno suspensum manifeste proponens, insuper dilucida uote affirmare uel potius mentiri presumpsit, quod omnes illi sunt fatui, qui credunt nasci de uirgine Deum, qui creauit naturam et omnia, potuisse; hanc heresim illo errore confirmans, quod, nullus nasci potuit, cuius conceptum uiri et mulieris coniunctio non precessit, et homo nichil debet aliud credere, nisi quod potest ui et ratione nature probare.” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 653ff.
    ↑11 Vgl. Stürner, Wolfgang: Friedrich II. 1194 – 1250. Darmstadt 32009. S. 473.
    ↑12 „[…] infirmus fide set sanus corpore, ut securius mentiretur Deo et ecclesiam falleret, omisso promisso passagio in lecto egri diebus aliquibus simulati recubuit ac Terram Sanctam incursibus hostium Christi exponere minime dubitauit, ex eo nulle dolore perculsus, quod ibi clare memorie Turingie langrauius, utinam non ueneni poculo, sicut mundus clamat ! extitit interemptus.” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 647.
    ↑13 „[…] qui gaudet se nominari preambulum Antichristi […]“ Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 653.
    ↑14 „[…] per dictum F(redericum) […] quod licet draco iste […]” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 650.
    ↑15 „[…] et in eam, quam fucatis deliniuit aliquando uerborum fallaciis, uirus effundere caude aculeo more scorpionis incepit […]” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 647.
    ↑16 “Set iste baculus impiorum, terre malleus uniuerse, conturbare terram, regna concutere et orbem desertum ponere cupiens, libertatem ecclesiasticam in dicto regno Sicilie, in obprobrium seruitutis extreme deducens, et ecclesias […]” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 651.
    ↑17 “Set forsan maculam opinionis sue hiis credit abolere conuitiis, qua se dura Viterbii moraretur inficiens, a facie hostium ecclesie non uerecundus aufugit, et ad defensionem suorum fidelium, quos ipsius hostes in oculis eius obsederant, et obsessorum terram nullo prohibente uastarant, affirmans suum per nos ad illos interdici progressum, imperialis honoris prodigus, set timore prohibitus non accessit; ex eo innocentiam nostram accusans, quod ad euitanda huiusmodi guerrarum dispendia nuntium a latere nostro non misimus.” Zit. nach: Monumenta Germaniae Historica, Epp. Saec. XIII, 1. S. 649.
    ↑18 Vgl. Brem, Ernst: Papst Gregor IX. bis zum Beginn seines Pontifikats. Ein biographischer Versuch. Heidelberg, 1911. S. 39 und Westenholz, Rainer von Viterbo, S. 42.
    ↑19 Vgl. Westenholz, Rainer von Viterbo, S. 45.
    ↑20 Vgl. ebenda, S. 127.
    ↑21 Vgl. ebenda, S. 130.
    ↑22 Vgl. Lerner, Joachim von Fiore. In: TRE, Band XVII, S. 85.
    ↑23 Vgl. ebenda, S. 86.
    ↑24 Vgl. Cohn, Ringen um das tausendjährige Reich, S.96.
    ↑25 Vgl. ebenda, S.94.
    ↑26 Franziskanerorden sah sich als den Mönchsorden an, der das Evangelium in aller Welt verkünden soll. Er stand im Propagandakampf gegen Friedrich II. auf der Seite des Papstes.
    ↑27 Vgl. Cohn, Ringen um das tausendjährige Reich, S. 96.
    ↑28 Vgl. Schaller, Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II, S. 128.
    ↑29, ↑31 Vgl. ebenda, S. 129.
    ↑30 Vgl. ebenda, S. 132.
    ↑32 Als Friedrich starb ließ er sich zum Empfang der Sterbesakramente die Kutte der Zisterzienser anziehen. Siehe Möhring, Weltkaiser der Endzeit, S. 214.
    ↑33, ↑35 Vgl. Schaller, Frömmigkeit Kaiser Friedrichs II, S. 135.
    ↑34 Vgl. Grundmann, Joachim von Fiore, S. 221.
    ↑36 Vgl. ebenda, S. 141.
    ↑37 Vgl. Grundmann, Joachim von Fiore, S. 220.
    ↑38 Vgl. ebenda, S. 221.
    ↑39 Vgl. Thomsen, „Ein feuriger Herr des Anfangs …“, S. 43.
    ↑40, ↑42 Vgl. Möhring, Weltkaiser der Endzeit, S. 210.
    ↑41 Vgl. die Bibelstellen Matth 3,3; Mar 1,3; Luk 3,4; Joh 1,23.
  • Familiengeschichte-Tipps für die Recherche

    Familiengeschichte-Tipps für die Recherche

    Hier finden Sie einige Familiengeschichte-Tipps, denn die eigene Geschichte zu recherchieren ist en vogue, vor allem seit der Corona-Pandemie. Viele Menschen interessieren sich nicht unbedingt für die Geschichte, wohl aber die der eigenen Familie. Jede Woche erreichen mich einige Anfragen im Archiv, die ich teils selbst bearbeiten kann oder aber an andere Stellen oder auf Quellen verweisen kann.

    Familiengeschichte-Tipps: Wie gehe ich mit einem Familiennachlass um?

    Kennen Sie schon mein Workbook “Ordnung im Familienarchiv. Sinnvoll und effizient”? Sie können es sich hier kostenlos downloaden (14 MB, pdf-Datei)!

    Kennt das Geburtsdatum!

    Warum? Weil es Menschen gleichen Namens gibt, die meistens aber an unterschiedlichen Tagen geboren sind. Es ist also ein Identitätskriterium.

    Werden für Dienstleistungen üblicherweise Gebühren erhoben, kennzeichne ich den Schritt mit (€). Die Gebühren variieren je nach Institution.

    •

    Bevor Sie sich den langen Text mit all den Familiengeschichte-Tipps durchlesen müssen und nach der Hälfte keine Lust mehr habe, hier ein…

    Schnelldurchlauf durch die Familiengeschichte-Tipps

    • Andere Familienmitglieder fragen
    • Recherche im Nachlass der Person
    • Google
    • genealogische Datenbanken (€)
    • Gemeinde-/Stadtarchiv (ggfs. mehrere, wenn Umzug) (€)
      • Geburtsurkunde, wenn nach 1790/1830 geboren
      • Heiratsurkunde, wenn nach 1790/1830 geheiratet
      • Sterbeurkunde, wenn nach 1790/1830 gestorben
      • Recherche im Melderegister (€) -> Das Bürgerbüro oder Stadtarchiv einer Gemeinde/Stadt anschreiben, in der die Person mal gelebt hat
      • Unterlagen zu Vereinen und anderen Gruppen, in denen die Person Mitglied war -> Gibt Hinweise zum sozialen Engagement der Person
      • Adressbüchern aus der Lebenszeit der Person -> Gibt Hinweise, wo die Person wann gelebt hat
      • Brandkatastern -> Gibt Hinweis über Wohnhaus
      • Fotos -> Sei’s von der Person, dem Wohnhaus, Teilnahme bei Veranstaltungen, etc.
      • Unterlagen zur Person, sofern Person des öffentlichen Lebens oder Beamten*in/Angestelle*r bei der Verwaltung -> Gibt Hinweise zum Job
    • Pfarrarchiv/Kirchenarchiv (€)
      • Kirchenbücher -> Taufe(!), Hochzeit, Tod
      • weitere Unterlagen, sofern die Person Mitglied in der Pfarrgemeinde war oder Pfarrer*in oder anderweitig in der Pfarrgemeinde bzw. Kirchengemeinde tätig war
    • Bundesarchiv (€)
      • Unterlagen aus ehemaligen Archiv der NSDAP (BDC)
      • Unterlagen des ehemaligen Archiv der Wehrmacht (WASt)
      • Unterlagen der Gestapo der NS-Zeit
    • Landesarchiv (auf Region und Gebietsveränderungen achten!) (€)
      • Spruchkammerakten (Entnazifizierung)
    • Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) (€?)
      • Unterlagen aus der ehemaligen jüdischen Gemeinde, in der die Person Mitglied war
    • Yad Vashem (€)
      • Unterlagen zu deportierten Personen
    • NS-Dok (ehemalige Konzentrationslager) (€)
      • Unterlagen zu deportierten Personen
    • Arolsen Archive (€)
      • Unterlagen zu Personen, die während der NS-Zeit verschwunden sind bzw. gesucht wurden: jüdisch gläubige Menschen, ausländische Kriegsgefangene, Kinder, Personen im Widerstand gegen die NSDAP, etc.
    • Jüdische Museen oder andere Institutionen vor Ort, die sich mit jüdischer Geschichte beschäftigen
      • Unterlagen zu jüdisch gläubigen Personen
    • Nachfolgende jüdische Gemeinde
      • Unterlagen zu jüdisch gläubigen Personen (ist nicht wahrscheinlich)
    • Vereinsarchive
      • sofern die Person Mitglied in einem Verein war
    • Firmenarchiv (€)
      • sofern die Person in einer größeren Firma gearbeitet hat
    • politische Archive (€)
      • Parteiarchive, sofern die Person Mitglied in einer politischen Partei war
      • BStU = Unterlagen des ehemaligen Stasi-Archivs

    Und jetzt noch mal langsam…

    Meine Familiengeschichte-Tipps

    Schritt 1.1: Geburtsdatum herausfinden

    Wie?

    • Andere Familienmitglieder fragen
    • Recherche im Nachlass der Person, zum Beispiel nach dem Personalausweis oder Führerschein oder andere Dokumente mit dem Geburtsdatum
    • Recherche im Melderegister (€) -> Das Bürgerbüro oder Archiv einer Gemeinde/Stadt anschreiben, in der die Person mal gelebt hat
    • Recherche in Personenstandurkunden, wenn das Heirats- und/oder Todesdatum bekannt ist (€) -> Das Standesamt oder Stadtarchiv einer Gemeinde/Stadt anschreiben, in der die Person geheiratet hat oder verstorben ist
    • Recherche beim Pfarrarchiv oder Bistumsarchiv (€) -> Ist die Person vor den 1790er Jahren (linksrheinisch) oder 1830er Jahren geboren, dann gab es noch keine staatliche Dokumentation der Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle, sondern nur in den Kirchenbüchern.

    Schritt 1.2: Googeln

    Der Schritt sollte parallel erfolgen oder als erster, sofern das Geburtsdatum bekannt ist. Falls Sie es nicht eh schon längst gemacht haben: Googlen nach der Person, sowohl unter “Web” als auch “Bücher”. Nutzen Sie auch genealogische Datenbanken (mitunter € für alle Funktionen). Ebenso nach Online-Datenbanken der entsprechenden Archive, die für Ihre Recherche sinnvoll sind, beispielsweise über das Archivportal-D.

    Schritt 2: Das zuständige Kommunalarchiv anschreiben

    Kommunalarchiv bedeutet: Gemeindearchiv, Stadtarchiv, Kreisarchiv. Die meisten Städte haben einige Archive, die meisten Gemeinden geben sie aber regelmäßig an das Landesarchiv ab. Fragen Sie einfach bei der Stadt oder Gemeinde nach, ob die Unterlagen vor Ort sind. Wenn nicht, werden Sie üblicherweise an das nächsthöhere Archiv verwiesen.

    Schreiben Sie in den Betreff den Namen der Person und das Geburtsdatum. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es in der Mailflut gut tut, die Anfrage direkt wiederzufinden.

    Welche Unterlagen könnten Kommunalarchive haben?

    Fragen Sie nach

    • Unterlagen zu Vereinen und anderen Gruppen, in denen die Person Mitglied war -> Gibt Hinweise zum sozialen Engagement der Person
    • Adressbüchern aus der Lebenszeit der Person -> Gibt Hinweise, wo die Person wann gelebt hat
    • Brandkatastern -> Gibt Hinweis über Wohnhaus
    • Fotos -> Sei’s von der Person, dem Wohnhaus, Teilnahme bei Veranstaltungen, etc.
    • Unterlagen zur Person, sofern Person des öffentlichen Lebens oder Beamten*in/Angestelle*r bei der Verwaltung -> Gibt Hinweise zum Job
    • Personenstandsurkunden, wenn nicht schon in Schritt 1.1 erledigt
    • Melderegister, wenn nicht schon in Schritt 1.1 erledigt

    Es gibt je nach Person und je nach Archiv eventuell noch mehr, aber das sind die Stellen, die ich als erstes nutze, um nach einer Person zu suchen.

    Je nach Umfang der Anfrage werden Sie gebeten, selbst vor Ort zu recherchieren. Oder es werden Gebühren (€) fällig.

    Wenn Sie vor Ort recherchieren: Fragen Sie vorher nach, ob Sie ohne publizistisches Interesse die Archivalien kostenlos fotografieren dürfen (in Bingen ist das möglich). Kopien und Scans kosten meistens eine Gebühr, die bei einer größeren Anzahl ins Geld gehen kann. Viele Archive bieten aber an, dass die Besucher*innen die Unterlagen abfotografieren dürfen, sofern sie sie nicht publizieren. So könnt Sie sie zu Hause durcharbeiten. Ist besonders gut, wenn Sie die Kurrentschriften (die alte deutsche Schriften) nicht flüssig lesen können. So brauchen Sie sich vor Ort nicht damit zu quälen, sondern erst zu Hause mit mehr Zeit.

    Schritt 3: Alles zusammentragen

    Puh, wahrscheinlich haben Sie jetzt schon einige Daten gesammelt. Sammeln Sie sie in einem Dokument, sei es thematisch oder chronologisch.

    Nun lesen Sie sich noch mal alles durch.

    Wo sind noch Lücken? Wo widersprechen sich Angaben? Notieren Sie sich diese Punkte und fragen Sie beim Kommunalarchiv (oder dem Archiv, an das Sie verwiesen wurden) nach: Gibt es Möglichkeiten, die Lücken zu schließen oder den Widerspruch aufzudröseln?

    Schluss? Oder weiter?

    Mitunter ist an diesem Punkt der Recherche schon Schluss. In manchen Fällen geht die Recherche aber jetzt erst richtig los.

    Weitere Familiengeschichte-Tipps

    Soldat im 2. Weltkrieg Soldat

    Dieser Punkt sollte direkt erledigt werden, sobald das Geburtsdatum bekannt ist: Stellen eine Anfrage

    • beim Bundesarchiv (€) -> a) Archiv der NSDAP, b) ehemalige Wehrmachtsarchiv (WASt)
    • beim Landesarchiv, das für die Region zuständig ist, in der die Person 1945 oder danach war (€) -> Spruchkammerakten, im Volksmund auch Entnazifizierungsakten genannt

    Jüdisch gläubige Personen während der Shoah/Holocaust

    Viele Archive jüdischer Gemeinden wurden nach Israel gebracht. Sie sind zum Teil digitalisiert. Auf jeden Fall ist man dort sehr hilfsbereit.

    • beim Bundesarchiv (€) -> Unterlagen der Gestapo
    • Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) (€?) -> Nachfragen, ob es Unterlagen von der jüdischen Gemeinde gibt, in der die Person Mitglied war
    • Yad Vashem (€?) -> nutzt auf jeden Fall schon mal die Online-Datenbank, fragen Sie aber auch
    • NS-Doks (€) -> Viele ehemalige Konzentrationslager sind mittlerweile NS-Dok-Stellen und haben sehr gut aufgearbeitet, wer wann im KL inhaftiert war und wer wann ermordet wurde
    • Arolsen Archive (€) -> Hier werden Unterlagen zu Personen gesammelt, die im Laufe der NS-Zeit verschwunden sind bzw. gesucht wurden.
    • Jüdische Museen oder andere Institutionen vor Ort, die sich mit jüdischer Geschichte beschäftigen -> Möglicherweise gibt es auch hier Unterlagen oder eine Bibliothek mit alten Unterlagen
    • Nachfolgende jüdische Gemeinde -> Auch wenn die Unterlagen der alten jüdischen Gemeinde in Jerusalem lagern, schreibt einfach auch die jetzige jüdische Gemeinde an. Sicher ist sicher.

    Widerstand, ausländische Kriegsgefangene, elternlose Kinder

    • Arolsen Archive (€) -> Wie gesagt, hier werden Unterlagen zu Personen gesammelt, die im Laufe der NS-Zeit verschwunden sind bzw. gesucht wurden. Bis vor kurzem hieß diese Institution noch ITS (International Tracing Service).

    Person war Mitglied in Vereinen oder anderen Gruppen

    Häufig gelangen Unterlagen zu Vereinen wie Protokollbücher und Festschriften erst an ein Archiv, wenn der Verein aufgelöst wurde.

    • Vereinsarchiv -> Fragen Sie direkt beim Verein nach, ob noch Unterlagen (Festbücher, Protokollbücher, etc.) aus der Zeit vorhanden sind, in der die Person Mitglied des Vereins bzw. der Gruppe war.

    Person arbeitete in einer größeren Firma

    Gerade größere Firmen haben ein Firmenarchiv, das ähnlich dem Archiv einer Stadtverwaltung ist.

    • Firmenarchiv (€) -> Anfragen ob es Unterlagen zu der Person gibt (am besten direkt angeben, von wann bis wann die Person in welcher Abteilung arbeitete)

    Person war Mitglied einer politischen Partei

    Auch Partei haben einige Archive. Ähnlich wie Stadtverwaltungen ihre Unterlagen regelmäßig an das Stadtarchiv abgeben, passiert das auch bei Parteiarchiven, dann aber meistens an das Landesarchiv bzw. Bundesarchiv.

    • Parteiarchiv (€) -> Fragen Sie direkt nach, ob zu der Person noch Unterlagen im Parteiarchiv vor Ort lagern können oder ob sie an das zuständige Archiv abgegeben wurden
    • ggfs. weitere Anfrage ans Landesarchiv (€) oder Bundesarchiv (€)

    Mitglied in einer Pfarrgemeinde oder Pfarrer*in, Priester*in, etc.

    Hat die Person mit der Kirche zu tun? Dann fragen Sie bei…

    • zuständige Pfarrgemeinde -> Gibt es Unterlagen zur Person vor Ort? Wenn nicht: Fragen Sie, an welches Archiv es ausgelagert oder abgegeben wurde
    • zuständiges Diözesanarchiv (manchmal auch Domarchiv/Bistumsarchiv) anfragen (€)

    Person lebte in der DDR

    Gut möglich, dass die Stasi über sie eine Akte angelegt hat.

    • BStU (€) -> Hier lagert das ehemalige Stasi-Archiv

    •

    Wichtig

    Wenn Sie Ihre Recherche publizieren und Archivquellen genutzt haben, dann informieren Sie bitte die jeweiligen Archive. Ist es ein Buch, möchten die meisten Archive ein kostenloses Belegexemplar für ihre Bibliothek. Das ist oft in den Bedingungen der Archivnutzung enthalten. Publizieren Sie es online, dann schicken Sie den Link. Vielleicht möchten sie auf ihrer Archivseite auf Ihre Seite verlinken?

    Noch wichtiger: Wenn Sie Fotos oder andere Medien von Archiven einbinden, informieren Sie vor der Veröffentlichung das Archiv, sonst könnte es teuer werden. Es kann gut sein, dass die Publikation eine Gebühr kostet.

    •

    Zu guter Letzt: Alle Familiengeschichte-Tipps?

    Mir ist völlig bewusst, dass diese Übersicht nicht vollständig ist. Ich bezweifele, dass sie vollständig sein kann. Aber sie ist umfassend und nennt die Möglichkeiten, die man bei seiner familienhistorischen Recherche nicht außer Acht lassen sollte. Wenn ich doch etwas Wichtiges vergessen habe, sagen Sie mir gerne Bescheid. Ich habe zwar den Blogartikel eine Woche lang gären lassen, aber vielleicht habe ich etwas übersehen.

  • Güterverzeichnis Kloster Rupertsberg bis 1300

    Güterverzeichnis Kloster Rupertsberg bis 1300

    Meine Abschlussarbeit behandelt die Güter und das Netzwerk von Kloster Rupertsberg bis 1300. Dafür habe ich allerdings nur die gedruckten Urkunden ausgewertet, sonst wäre es eine Dissertation geworden und wahrscheinlich hätte der Umfang auch diese Vorgaben überschritten.

    Viele Informationen konnte ich deshalb nicht in der Studie unterbringen. Damit meine umfangreiche Datensammlung für andere Regionalhistoriker*innen nutzbar ist, ergänzte ich die Studie um einen sehr langen Anhang, den ihr hier zum Downloaden findet. Zur Übersichtlichkeit gibt es hier alle Güter meiner Sammlung, aber ohne Fußnoten. Den kompletten Anhang könnt ihr aber hier mit allen Fußnoten downloaden (pdf-Datei, 332 KB).

    Hinweis: Ein Großteil der Güter, die zwischen ca. 1150 und 1200 an das Kloster kamen oder abgingen, ist nur über die Einzelurkunde, sondern nur den Eintrag im Güterverzeichnis bekannt. Die allererste Übersicht des Güterverzeichnisses wurde um 1200 angelegt und ist im Mittelrheinischen Urkundenbuch ediert. Daher sind viele Einträge hier aus Gründen der Kürze auf “um 1200” datiert. Im Grunde müssten sie aber “irgendwann in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts” heißen.

     

    Abkürzungsverzeichnis

    iur = iurnales (Morgen)

    iug = iugera (Joch)

    ZT = duale (Zweiteil)

    par = particula (Stück)

    vir = virga (Rute)

    l.a. = libri argenti (Silberpfund)

    •

    •

    Appenheim

    • allodium: 41,5 iug. Ankauf (32 Mark): Arnold von Saulheim (um 1200)
    • predium: 4 ZT, 152,5 iug, 15 iur. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • predium: 3 iur, 3 ZT. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • predium: 15 iug, 3,5 iur, 6 ZT. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • predium: 47 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • predium: 33 iug, 6 iurn. Mitgift: Guda von Geisenheim (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Friedrich (um 1200)
    • 2 iug. Schenkung: Heinrich von Wintersheim (um 1200)
    • 33 iug. Ankauf (20 Drittelmark): Embricho

    Aspisheim

    • 0,5 iug. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Bad Kreuznach

    • 4 iug. Schenkung: Meingott von Treisen (um 1200)

    Bergen

    • 1 Acker. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • 1 Egarten. Verpachtung: Friedrich von Bergen (um 1200)
    • unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Bergen bei Kirchberg

    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Bermersheim vor der Höhe

    • anderthalb Hufen: unbekannt. Schenkung: Embricho von Bingen (um 1200)
    • allodium: 5 ZT, 4 iug, 1 par. Schenkung: Odalrich, Graf von Ahr (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: Hugo, Drutwin und Rorich (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Schenkung: Odalrich, Graf von Ahr (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Schenkung: Rorich (um 1200)
    • Hufe: 32 iug, 5,5 ZT. Verkauf (10 Mark): Kanoniker Heinrich (um 1200)
    • anderthalb Hufen: 45 iug. Schenkung: Embercho (um 1200)
    • predium: 32 iug, 9 ZT. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • predium: unbekannt. Schenkung: Dietrich von Flonheim (um 1200)
    • predium: 58 iug, 8 ZT. Ankauf (37 Mark): Gottbert von Selzen (um 1200)
    • predium: 37 iur, 5 ZT.  Ankauf (18 Mark): Hermann (um 1200)
    • 2 iug. Schenkung: Arnold (um 1200) [Evtl. nur 1 iug]
    • 53 iug, 2 ZT. Schenkung: Drutwin (um 1200)
    • Stall: unbekannt. Schenkung: Drutwin (um 1200)
    • 53,5 iug, 4,5 ZT. Schenkung: Hugo (um 1200)
    • 3 iur. Schenkung: Drutwin, Hugo, Rorich (um 1200)
    • 1 iug. Schenkung: Ida (um 1200)
    • 20 iug, 9,5 ZT. Schenkung: Rorich (um 1200)
    • Hof mit 69 iur. Pacht: Embricho (1194)
    • Brunnen. Verpachtung: St. Alban, Mainz (1276)

    Bingen

    • Mühle im Rhein. Schenkung: Erzbischof Heinrich (1152)
    • Predium: 11,25 iug, 1 par, 10 ZT. Schenkung: Pfalzgraf Hermann von Stahleck und Ehefrau Gertrud (1158)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: Embercho (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: Embricho von Bingen (um 1200)
    • Mühle: unbekannt. Schenkung: Bilingus (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Alexander (um 1200)
    • 67 par, 9 iug. Unbekannt: Unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt. Unbekannt: Unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt. Unbekannt: Unbekannt (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Bezzecha (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Demodis von Stromberg (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Edelindis (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Embricho (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Embricho von Bingen (um 1200)
    • 1 iur, 6 par. Schenkung: Gepa (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Gepa (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Gottfried und Bertha (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Hugo (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Imeza (um 1200)
    • 2 Weinberge: unbekannt. Schenkung: Kleriker Konrad (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Libeita (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Odegeba (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Othwich (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Vogt Walpert (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Werner (um 1200)
    • 0,5 iug. Schenkung: Wolpero (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Ankauf (2 Mark+Zins): St. Servatius, Maastricht (1195)
    • Hof: unbekannt. Schenkung: Diethelm (1203)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: Ortlib Grine (1203)
    • Weinberg: unbekannt. Ankauf (20 Köln. Mark): Wolverad (1213)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: Hertwig (1235)
    • Hof: unbekannt. Mitgift/Seelgerät: Philipp I. von Hohenfels (1260)
    • Egarten: unbekannt. Pacht: unbekannt (1270)
    • Hof: unbekannt. Mitgift/Seelgerät: Brüder von Hohenfels (1278)
    • Unbekannt. Schenkung: Konrad (1281)

    Bonnheim

    • 8 ZT, 12 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Bornheim

    • Hufe: 44 iug, 2 ZT, 7,5 iur. Mitgift: Vogt Walpert (um 1200)
    • Unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Bosenheim

    • Viertel-Hufe: 3 iur, 7,5 ZT. Unbekannt: Wolfram (um 1200)
    • Viertel-Hufe: 9 ZT, 4 par. Unbekannt: Ebernand (um 1200)
    • Halbe Hufe: 10,5 iur, 3 ZT. Unbekannt: Brüder von Kl. Neuhausen (um 1200)
    • Allodium: 6,5 ZT, 9 iurn. Ankauf (9 l.a.): Baldemarus von Eppelnsheim (um 1200)
    • Allodium: 8,5 ZT, 5 iug. Schenkung: Simon & Wendelmuth (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Teil von allodium: Hof: unbekannt. Schenkung: Simon & Wendelmuth (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Teil von allodium: Hof: unbekannt. Ankauf (9 l.a.): Baldemarus von Eppelnsheim (um 1200)
    • 1 par, 10 1/8 ZT, 73 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • 0,5 iug. Verpachtung: Volmar (um 1200)

    Büdesheim

    • Mühle: unbekannt. Pacht: Kloster St. Alban, Mainz (1181)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Mechthild von Bingen (um 1200)
    • Unbekannt. Unbekannt: Kanoniker Werner (um 1200)
    • 13,5 ZT, 29 iur. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • predium: unbekannt. Pacht: Lutfried und Regelindis (um 1200)
    • Unbekannt. Pacht: unbekannt (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Mengot von Geisenheim und Jutta (1200)
    • Mühle. Schenkung: Mengot von Geisenheim und Jutta (1200)
    • Weinberg: unbekannt. Verpachtung: Marsilius aus Büdesheim (1270)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: Marsilius aus Büdesheim (1270)

    Burgestat

    • Halbe Hufe: unbekannt. Schenkung: Richelinde (um 1200)

    Dienheim

    • Teil von allodium: 4 iug. Seelgerät: Friedrich von Hausen (um 1200)

    Dietersheim

    • Fundus: unbekannt. Schenkung: Rudolf von Münster (um 1200)
    • Mühle: unbekannt. Schenkung: Rudolf von Münster (um 1200)
    • Pferd. Schenkung: Rudolf von Münster (um 1200)

    Dolgesheim

    • Allodium: 50 1/3 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 12 ZT, 14 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 100 iur, 1 ZT, 2 par. Seelgerät: Walter von Hausen (um 1200)
    • Teil von Allodium: Hofstätte: unbekannt. Seelgerät: Walter von Hausen (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: Walter von Hausen (um 1200)
    • 3 Hufen: unbekannt. Schenkung: Walter von Hausen (um 1200)
    • 6 iur. Schenkung: Walter von Hausen (um 1200)
    • Unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Dromersheim

    • 4 iur. Schenkung: Dieter von Waldböckelheim (um 1200)
    • 1 iug. Schenkung: Drutlinde von Leibenheim (um 1200)
    • 1 iug. Schenkung: Sophia (um 1200)
    • 2,5 iug. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Ebental

    • 2 iur, 2 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Eppelsheim

    • 105,25 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Essenheim

    • Allodium: 81,5 iur, 7 1/6 ZT. Ankauf (52 l.a.): Heinrich von Gabsheim (um 1200)
    • Allodium: 113 iug, 0,5 iur. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 121,5 iur, 28 iug, 1 ZT. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 24 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Predium: 43,5 iug, 1 ZT, 2 iur. Ankauf (40 Mark): unbekannt (um 1200)
    • 11,5 ZT, 30 iug. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • 4,5 iur. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Gau Algesheim

    • Äcker. Tausch: Altmünsterkloster, Mainz (1184)

    Geisenheim

    • 18 iug. Schenkung: Rheingraf Embricho (um 1200)

    Gensingen

    • Allodium: 25 iug, 21,5 vir, 2 ZT. Unbekannt: Helfericus (um 1200)
    • Allodium: 30 iug. Unbekannt: Helfericus (um 1200)
    • 1 iug. Schenkung: Heinrich (um 1200)
    • 1 ZT. Schenkung: Adelheid (um 1200)
    • Allodium: 3,25 ZT, 27,75 iur. Schenkung: Frank & Ehefrau (um 1200)
    • 2 Hufen: unbekannt. Schenkung: Frank von Waldböckelheim (um 1200)
    • Predium: 0,5 iur, 27 iug. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • 0,5 iug. Schenkung: Dieter (um 1200)
    • Allodium: 11 iug, 1ZT. Verpachtung: Gela (um 1200)
    • Allodium: 20,5 iug, 1ZT, 24 vir. Verpachtung: Gela (um 1200)
    • 99 iug. Verpachtung: Gela (um 1200)

    Guldental (= Heddesheim)

    • 3 Weinberge. Schenkung: Klerker Emicho (um 1200)
    • 3 Weinberge. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Gutenfels (= Weitersheim)

    • Halbe Hufe: 15,5 iug. Unbekannt: Rupert (um 1200)
    • Halbe Hufe: 11,75 iug, 2 ZT. Unbekannt: Werner (um 1200)
    • Halbe Hufe: 13,25 iug, 2 ZT. Seelgerät: Rudolf Messehe (um 1200)
    • Hufe: 35 iug, 2 ZT. Unbekannt: Wicnand (um 1200)
    • Predium: 33,5 iug. Schenkung: Wendela (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • 8,25 iug. Verpachtung: unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • 1 iug. Ankauf (13 unciis nummorum): Meginbold (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Verpachtung: Hemmercho von Weitersheim (1296)

    Hargesheim

    • Teil von Allodium: Hof: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Predium: 32 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Teil von Predium: Weinberg: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Predium: unbekannt. Verpachtung: Hermann von Genheim (um 1200)
    • Unbekannt. Verpachtung: unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Hattenheim

    • 3 iur. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Hohensteg

    • 7 par, 1 stregela. 1 iur, 19,5 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Unbekannt: unbekannt (um 1200)

    Horrweiler

    • 3 iug. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Kempten

    • 0,5 iug. Schenkung: Helinburgis (um 1200)

    Langenlonsheim

    • Allodium: 13,5 ZT, 33,75 iur, 15 iug. Schenkung: Agnes von Bar (um 1200)
    • Allodium: 81,5 iur, 70 iug. Schenkung: Agnes von Bar (um 1200)
    • Allodium: 55 iug. Seelgerät: Agnes von Bar (um 1200)
    • Allodium: fabrica domus. Seelgerät: Agnes von Bar (um 1200)
    • Allodium: Hof. Seelgerät: Agnes von Bar (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: Ebernant, Liuppurch, Gerunc (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Schenkung: anonym (um 1200)
    • Halbe Mühle: unbekannt. Schenkung: Richelo und Berloch (um 1200)
    • Predium: 1 par, 5 ZT, 17,25 iug. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • 1,75+ iug, 1 ZT. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • 2,25+ iug, 2 ZT. Schenkung: Berwart (um 1200)
    • 3,25+ par. Schenkung: Dammo von Bingen (um 1200)
    • Viertel Weinberg: unbekannt. Schenkung: Dammo von Bingen (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Wolfram und Adelheid (um 1200)
    • 2,5 iug. Schenkung: Wolfram (um 1200)
    • 0,5 iug, 1 ZT, 1 par. Schenkung: Wicgerus (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Ankauf (unbekannt): Weremtrude (um 1200)
    • 2 iug. Schenkung: Ulrich von Braunshorn (um 1200)
    • 1,5 iug. Seelgerät: Sigehart und Rudegerus (um 1200)
    • 1 ZT, 8 iug. Schenkung: Richelo und Berloch (um 1200)
    • 5,75 iug, 1 ZT, 2 par. Schenkung: Ebernant, Liuppurch und Gerunc (um 1200)
    • Viertel Acker. Schenkung: Ebernant, Liuppurch und Gerunc (um 1200)
    • Viertel Wein. Schenkung: Ebernant, Liuppurch und Gerunc (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Herloch (um 1200)
    • 1,5 iug. Ankauf (unbekannt): Heinrich von Dicka (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Hadeloch von Lonsheim (um 1200)
    • 1/8 iug. Schenkung: Godebolt von Bingen (um 1200)
    • 1 ZT, 6.5 iug. Schenkung: Godebolt (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Godebolt (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Diedo (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Embricho von Langenlonsheim (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Schenkung: Embricho von Rüdesheim (um 1200)
    • Teil von Allodium: 1 ZT. Verpachtung: Arnold (um 1200)
    • Teil von Allodium: 1 ZT. Verpachtung: Gertrud von Waldböckelheim (um 1200)
    • Teil von Allodium: 1 ZT. Verpachtung: Hartben (um 1200)
    • Teil von Allodium: 1,25 iur. Verpachtung: Arnold (um 1200)
    • Teil von Allodium: 0,5 ZT. Verpachtung: Gernot (um 1200)
    • Fabrica domus: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Haus mit Garten. Verpachtung: Werner von Bergen (um 1200)
    • 1 Weinberg. Pacht: unbekannt (um 1200)

    Münster

    • Haus: unbekannt. Schenkung: Hermann (um 1200)
    • Unbekannt. Seelgerät: Konrad aus Münster und Bertha (1219)

    Niederheimbach

    • Unbekannt. Mitgift: Brüder Siegfried, Werner, Embricho (1250)

    Ockenheim

    • Allodium: 4 iur. Verkauf (Summe unbekannt): Sigebold (um 1200)
    • Predium: 7 iug, 5 par, 9 ZT. Schenkung: Richardis von Stade (um 1200)
    • 4 iur. Seelgerät: Gepa (um 1200)
    • 16 ZT, 29 7/12 iur. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Gernot von Bingen (um 1200)
    • 0,5 iug. Schenkung: Gernoth (um 1200)
    • 1 ZT. Schenkung: Hermann (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Wicherus (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Jutta von Ockenheim (um 1200)
    • 1 Weinberg: 2,5 iur. Schenkung: Liukardis von Ockenheim (um 1200)
    • 2,5 iur. Schenkung: Volknand von Ockenheim (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: Konrad, Wignand, Heinrich (um 1200)
    • 1 par. Verpachtung: Konrad (um 1200)
    • 3 iug. Schenkung: Gepa (um 1200)
    • 10 iug. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • 4 iug. Ankauf: Ida (um 1200)
    • 0,5 iur. Verpachtung: „her dudenkint“ (um 1200)
    • 1 ZT. Verpachtung: Arnold, Seneschall (um 1200)
    • 1 iur. Verpachtung: Irmtraud (um 1200)
    • Predium: 2 par, 3 iug, 6 ZT. Pacht: Richardis von Stade (um 1200)
    • Unbekannt. Pacht: unbekannt (um 1200)

    Reipolteskirchen

    • 1 Weinberg. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Roth bei Stromberg / Warmsroth

    • 2 iug. Unbekannt: Vogt Walpert (um 1200)
    • 1,5 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Predium: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Roxheim

    • Unbekannt. Schenkung: Wendela (1158)

    Rüdesheim am Rhein

    • Allodium: 2 Weinberge. Schenkung: Heinrich von Olf und Osperen (1197)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Arnold von Rüdesheim (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Wolfram von Rüdesheim (um 1200)
    • 24 par, 9,5 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • 2 Acker. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Weinberg: unbekannt. Pacht: Engelschalk (um 1200)
    • Unbekannt. Tausch: Embricho von Rüdesheim (1200)
    • Weinberg: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (1204)
    • 2 Weinberge. Verpachtung: Werner von Rüdesheim (1272)

    Schnorbach

    • Hufe: unbekannt. Seelgerät: Eigel und Guda (um 1200)
    • Hufe: unbekannt. Schenkung: Pastor David von Schnorbach (um 1200)
    • Hufe: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Predium: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Sommerloch

    • 2 iug. Schenkung: Hildburg von Treisen (um 1200)
    • 4 iur. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • 4 iur. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Steeg

    • Weinberg: unbekannt: Verpachtung: Wikenand und Sophie (1273)

    Trechtingshausen

    • Halber Hof: unbekannt. Ankauf (Summe unbekannt): Sigebold (um 1200)
    • Halbes Haus: unbekannt. Ankauf (Summe unbekannt): Sigebold (um 1200)
    • Allodium: 10,5 iur. Verkauf (Summe unbekannt): Sigebold (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Adelheid aduocata (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Wolpurch (um 1200)
    • 1 Weinberg. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Weinberg. Verpachtung: Herford und Beatrix (um 1200)

    Volxheim

    • Allodium: 4 ZT, 45 iur. Schenkung: Frau Gepa (um 1200)
    • 5 iur, 1 par. Seelgerät: Mechthild (um 1200)
    • 4,5 ZT, 9 iur+. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Predium: unbekannt. Pacht: Meginlacho und Hugo (um 1200)

    Waldlaubersheim

    • Unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Walluf

    • Allodium: unbekannt. Schenkung: Heinrich von Olf (um 1200)
    • Mühle: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)

    Weiler

    • Allodium: 15 iur. Ankauf (18 l.a.): Kanoniker Werner (um 1200)
    • Allodium: 15,75 iur, 3 par. Schenkung: unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 10 iur. Verkauf (Summe unbekannt): Sigebold (um 1200)
    • Teil von allodium: Hof: unbekannt. Verkauf (18 l.a.): Kanoniker Werner (um 1200)
    • 1 par. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • 1 iug. Schenkung: Mechthild (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Apecha (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Bertha von Winkel (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Gerhild (um 1200)
    • 0,5 iur. Schenkung: Gerhild (um 1200)
    • 1 iug. Schenkung: Gerlach (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Guda (um 1200)
    • 0,5 iur. Schenkung: Guntramus (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Hedwig von Bingen (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Hermann (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Liebheid (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Mechthild (um 1200)
    • 0,5 iur. Schenkung: Othwich (um 1200)
    • 0,5 iur. Schenkung: Wolpert und Adelheid (um 1200)
    • Hofstätte: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt. Verpachtung: Hedwig, Frau des Stephan (um 1200)
    • 1 Weinberg. Pacht: Lufried und Regelindis (um 1200)
    • Unbekannt. Schenkung: Vogt Walpert (um 1200)
    • Unbekannt. Seelgerät: Arnold Rapodo und Jutta (1270)
    • Unbekannt: Schenkung: Berungus und Richardis (1273)

    Welgesheim

    • Allodium: 8 ZT, 37 5/6 vir, 97 iug. Ankauf (Summe unbekannt): unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 6 Höfe (ohne Größe). Ankauf (Summe unbekannt): unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 1,5 Äcker (ohne Größe). Ankauf (Summe unbekannt): unbekannt (um 1200)
    • Allodium: 6 Ballen Heu. Ankauf (Summe unbekannt): unbekannt (um 1200)
    • Teil von allodium: Hof: unbekannt. Ankauf (Summe unbekannt): unbekannt (um 1200)
    • Teil von allodium: Hof: unbekannt. Unbekannt: Stefan von Welgesheim (um 1200)
    • Predium: 5 ZT, 15,5 iug. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • Predium: 1 vir, 3 ZT, 13 iug. Unbekannt: Stefan von Welgesheim (um 1200)
    • Teil von Predium: 1/6 Acker. Unbekannt: Stefan von Welgesheim (um 1200)
    • Predium: unbekannt. Schenkung: Rheingraf Embricho (um 1200)
    • 2 ZT, 1,5 iur. Unbekannt: unbekannt (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Adelheid von Welgesheim (um 1200)
    • 2 iur. Schenkung: Adelheid von Welgesheim (um 1200)
    • 1 ZT, 1,5 iur. Schenkung: Gottfried von Welgesheim (um 1200)
    • 1 Weinberg. Schenkung: Godebolt (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Giselburg (um 1200)
    • 1 iur. Schenkung: Heinrich (um 1200)
    • 2 ZT. Schenkung: Isenbreth (um 1200)
    • 4 ZT. Verpachtung: Gottfried in “ozenheim” (um 1200)
    • Halbe Hufe: 5,5 iug, 2,5 ZT, 2 vir . Pacht: Gerungus & Friedrich (um 1200)
    • Allodium: 10,5 iug. Pacht: unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt. Pacht: unbekannt (um 1200)

    Windesheim

    • Hufe: unbekannt. Seelgerät: Eberhard von Windesheim (um 1200)

    Wiselon (unbekannte Wüstung)

    • 1 Weinberg. Schenkung: Margaretha von Schönburg (um 1200)

    Ohne Lokalisierung

    • 1 Weinberg. Unbekannt: Dypurgis (um 1200)
    • 1 Weinberg. Ankauf (4 Solidus trev.): Heinrich (um 1200)
    • 1 Weinberg. Seelgerät: Arnold von Geisenheim (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: Hartman (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: Richwin (um 1200)
    • Hof: unbekannt. Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Garten: unbekannt. Verpachtung: Werner (um 1200)
    • 1 iug. Verpachtung: Helferich von „bubelsheim“ (um 1200)
    • 1 iug. Verpachtung: Dieter (um 1200)
    • Halbes Haus. Verpachtung: Dieter (um 1200)
    • Keller. Verpachtung: Dieter (um 1200)
    • 2 iug. Verpachtung: Cimmelich (um 1200)
    • Haus. Verpachtung: Konrad, der Richter (um 1200)
    • 1 Acker. Verpachtung: Konrad, der Richter (um 1200)
    • 3 iug. Verpachtung: Gottfried, der Heiler (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Äbtissin des alten Klosters (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Arnold, der Schuster (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Binger Schultheiß (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Gottfried, der Flachsmacher (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Gottschalk „orlaz“ (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Hedwig (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Meregart (um 1200)
    • Unbekannt: Verpachtung: Merewin (um 1200)
    • Unbekannt: Pacht: unbekannt (um 1200)
    • Unbekannt: Pacht: Hedwig (um 1200)
    • Unbekannt: Pacht: unbekannt (um 1200)
    • Mühle: unbekannt. Pacht: Kloster St. Jakob, Mainz (um 1200)
    • Unbekannt: Tausch: Embricho von Rüdesheim (1205)
  • Das Meehrche vum Rotkäppche

    Domols imme Land gabs emol a Fraa die hot a Dochter. Des Medsche hat so immer en rot Käppche getrah uff’m Kopp. Deshalb hieß des Medche aach Rotkäppche. Dem Medche sei Oma war ziemlich krank. Do hot die Mutter en Freßkorb gemacht und des Rotkäppche dode mit zur Oma geschickt.

    Bevor des Medche losgang is, seeht die Mutter

    „Horsch, geh nit vum Weesch ab. Dass is zu gefährlich.“

    Die Oma wohnt neemlich mitte im Wald. Uff’m Weg dohie sieht das Medche scheene Blumme in de Nee vum Weesch un denkt:

    „Wie schee, die Oma deet sich bestimmt freie ibber so scheene Blumme. Do nemm isch a paar mit.“

    Während sie noch am plicke is, kimmt de Wolf un seeht:

    „Ei wer bischt’n Du, un was mach’sche dann do?“

    „Ei, ich bin des Rotkäppche und die Blumme sinn vor mei Oma, die is nehmlich krank und ich bring ihr was zu esse.“

    „Ei, wo wohnt dann dei Omasche?“, freeht de Wolf.

    „Na, do hinne im Wald, in dem Haisje“ seeht des Rotkäppche. Plickt sei Blumme fertisch und geht weiter zur Oma.

    Als’ses zur Oma kimmt, lieht die im Bett. Nur de Kopp guckt aus de Bettdeck raus. „Ei Omasche, was hosch’n heit vor große Aah?“

    „Ei, damit ich besser gucke kann!“

    „Unn warum hosch’n so ne groß Noos?“

    „Damit ich besser rische kann!“

    „Unn warum hosch’n so große Oohre?“

    „Damit ich besser heehre kann!“

    „Unn warum hosch’n so’n grooße Mund?“

    „Damit ich Dich besser fresse kann!“

    Seeht’s, hippt uff und verschlingt des Medche. Dodedruff is de Wolf so mied wor, dasser ingeschloof is. E zeitlang speeter kimmt e Jeescher vorbei und heehrt jemand schnarsche.

    Als er ins Haus rinngieht, sieht er de Wolf unn sein dicke Bauch unn denkt:

    Mensch, der hots Omasche gefress.

    Er nimmt ne Scheer und schneid dem Wolf de Bauch uff. Unn heraus kimmt das Rotkäppche sammt de Oma.

    Wie honn die sich gefreit, daß se widder aus dem Bauch drauße warn.

    Schnell honn se Wacke geholt und dem Wolf in de Bauch gesteckt. Dann honn se de Bauch zugeneht. Als de Wolf wach wor is, hotter en riese Dorscht und muß was trinke.

    Als er dann zum Brunne is, denkt der sich, was rumpelt un pumpelt dann so in meinem Bauch rum. Mer kennt grad meene es weern Wackestee. Dann hängt er sich ibber de Brunne um zu saufe. Wie er sich abber so dribberhängt, rutsche de Stee no vorne, un er krieht des Ibbergewicht, unn fellt koppibber in de Brunne un ersaift.

    Mensch, honn do sich aber all gefrait und richtich gefeiert.

    Unn wenn se nit gestorb sinn, dann lebe se noch heit.

  • Die Quintessenz des Spieles

    Die Quintessenz des Spieles

    Am 19. Februar 1899 machte die Wiener Allgemeine Sport-Zeitung bekannt((Vgl. NN: Die Oxforder Mannschaft in Wien. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 19.02.1899. S. 192. Letzter Zugriff: 04.03.2018.)), dass der Oxford University Association Football Club zu Spielen in Prag und Wien über die Ostertage nach Österreich reiste. Einem damals sehr erfolgreichen Club der Football Association, der als Universitätsverein nun in der Liga der Fußballmannschaften von britischen Universitäten und Colleges der Midlands-Region (um Birmingham), spielt. Die Spiele gegen den Deutschen Fußballclub und Slavia (beide Prag) fanden Ende März statt, die Spiele in Wien Anfang April. Der Artikel stellt außerdem die Mannschaft des Oxford University AFC mit vorherig besuchtem College, Größe, Gewicht, Position und weiteren Sportarten, die sie betrieben, vor.

    Die Spiele fanden in Wien gegen den Wiener Athletiksport-Club statt und zwar gegen eine Mannschaft mit Österreichern und Engländern (“gemischte Mannschaft”) und eine Mannschaft mit nur Österreichern (“deutsche Mannschaft”). Die “deutsche Mannschaft” bestand dabei aus drei Spielern der “gemischten” Startelf ,drei genannten Ersatzspielern und fünf weiteren, die für das Spiel der “gemischten Mannschaft” nicht berücksichtigt wurden. Um 15:30 Uhr wurde am 2. April und 3. April die Spiele im Prater (heute Ernst-Happel-Stadion) statt.((Vgl. NN: Die Oxford-Mannschaft in Wien. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 02.04.1899. S. 352. Letzter Zugriff: 04.03.2018.))

    Die den Spielen nachfolgende Berichterstattung über die Spiele blühte vor Begeisterung für das englische Kombinationsspiel, das für alle Zuschauer und auch nicht englischen Spieler des Athletiksport-Clubs schier unwirklich angemutet haben.((Vgl. H., J.: Der Fussballkampf – Oxford – Wien. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 09.04.1899. S. 386. Letzter Zugriff: 04.03.2018.))

    “[…] Die Oxforder glänzten durch ihre universelle Einzelausbildung, die sich harmonisch in den Rahmen der Gesammtheit fügte und ein Zusammenspiel ermöglichte, das zur Bewunderung hinreissen musste. Man stand vor etwas Neuem, Ungeahntem. Diese Balltechnik, diese feine Taktik – das Resultat wohldurchdachter und blitzschnell ausgeführter Combination – hat man auf dem Continent noch nicht geschaut; es war einfach possirlich mitanzusehen, mir welche Verblüffung die Unserigen in der Zeit von zwei Minuten drei Bälle der Oxforder in’s eigene Netz fliegen sahen, ohne diesen ernstlich Widerstand entgegensetzen zu können! […] Die Spielweise der Oxforder war schlechtweg fascinirend. Jener deutsche Professor, der im vorigen Jahre unter dem Titel ‚Fußlümmelei’ eine geharnischte Kampfbroschüre gegen das ‚brutale’ Fussballspiel losgelassen, hat sicher Oxforder Studenten nie spielen gesehen! Was er zu Gesicht bekommen, kann nur deutsche Verballhornung gewesen sein, die sich – auch bei uns – bisher darin gefallen hat, den Ball mit kräftigen Fusstritten in riesigem Bogen über die halbe Bahn zu schleudern. Derlei hat man aber hier von den Oxfordern nicht zu Gesicht bekommen, und es ward uns offenbar, dass dem ‚derben Tritt’ beim Fussballspiele nicht entfernt die Rolle zufällt, die man ihm bislang auf dem Continent beigemessen. Jeder Zeuge des Oxforder Spieles wird bekennen, dass die Aesthetik bei demselben wahrlich nicht zu kurz gekommen.

    Schon die ersten Evolutionen liessen keinen Zweifel aufkommen, dass die Engländer zum Unterschiede von der gänzlich ungeregelten auf den Zufall und die Geschicklichkeit des Einzelnen basirten Spielweise der Wiener – nach einem festen, wohlüberdachten System vorgingen, in dem Alles Berechnung ist, auch nicht der kleinste Schritt dem blinden Ungefähr überlassen bleibt. Was uns die Engländer vor Allem lehren, war, dass der Ball nicht geschleudert, sondern gerollt werden muss. Das ist sozusagen die Quintessenz des Spieles. Beim Anstosse trachtet Einer in den Besitz des Balles zu gelangen. Ist dies geschehen, so nimmt das gesammte englische Feld den Ball auf’s Korn und postirt sich derart geschickt, dass man den Eindruck einer Cernirunglinie[!] [= Belagerungslinie] empfängt. Der Ball rollt gemüthlich für einige Secunden flach den Boden entlang, nicht selten durch die Beine der gegnerischen Leute, die mit ihren weitausholenden Tritten und Stössen in der Regel ihr Ziel verfehlen. Hat der rollende Ball, wie beabsichtigt, eine grössere Gruppe der Gegner angelockt, so werden diese alsbald gewahr, dass sie in die Falle gelockt worden. Denn ehe sie sich’s versehen, ist der Ball blitzschnell nach rechts oder links abgegeben worden, rollt meist unangefochten, von Mann zu Mann wandernd, ganz aussen, und schon sieht man auch, wie die Engländer den Ball decken, indem ihrer Drei, Vier den rollenden Ball cerniren [= einschließen, umgeben, blockieren]. Meist nimmt einer derselben ihm den Ball ab, ein scharfer ‚Schuss’ und der Ball fliegt unaufhaltbar an dem verdutzten Thorwächter vorbei in das Thor. Das ‚Abgeben’ des Balles ist ein wichtiger Punkt in dem taktischen Spielplane der Engländer. In der Mehrzahl der Fälle stellt dasselbe eine Finte dar, bestimmt, den Gegner in Bezug auf die Angriffsrichtung zu täuschen.

    Suchten die Wiener, wie erwähnt, ihre Hauptstärke darin, den Ball in schwunghaftem Bogen zu befördern, was den Gegnern umso willkommener war, als sie in diesem Falle den Ball am besten beobachten konnten, so trachteten die Engländer wieder, wenn irgend möglich[,] den fliegenden Ball durch Auffangen geschieht mit dem ganzen Körper. Die Hände natürlich ausgenommen, mit dem Kopfe, den Schultern, dem Rücken etc., und das bekannte Rollspiel nimmt seinen Fortgang. Das Kopfspiel, das bei den Unserigen übrigens auch Wagner und Nicholson mit grosser Geschicklichkeit producirten, wird bei den Oxfordern mit bewundernswerther Technik ausgeführt. Gelang es den Wienern, den rollenden Ball zu erobern, und war derselbe von diesen mit der üblichen Vehemenz – aber zumeist leider ganz wahllos in der Zielrichtung – in das gegnerische Feld gelangt, so hatten die Oxforder wieder Gelegenheit, ihre hochentwickelte Lauftechnik zu bethätigen. In wunderbaren flachen Sprüngen kamen sie hinterher, tauchten sie, wie aus dem Erdboden gewachsen, an den gefährdeten Punkten auf, zwei, drei vier Blau-[W]eisse gegen einen Wiener, so dass man wiederholt den Eindruck hatte, die englische Mannschaft sei doppelt so zahlreich als der Gegner! Unter den Läufern zeichnete sich namentlich der mit grossartigen Wadenmuskeln ausgestattete Jameson aus, mit dem Schritt zu halten keinem der Wiener gelang.

    Die denkbar undankbarste Rolle fiel den Wienern des ersten Tages zu. Sie sollten die Feuerprobe gegen die gefürchteten Oxforder bestehen. Der Mangel jedes Zusammenspiels gab sie jenen völlig in die Hände, und wenn auch Wagner und Mollisch mit Todesverachtung arbeiteten, so waren es immer nur Kräftezersplitterungen gegenüber der geschlossenen englischen Phalanx. In dieser zeigte sich insbesondere G. C. Vassal, der neben A. M. Hollins die meisten Bälle erzielte, in seiner ganzen Grösse. Die ‚gemischte’ Mannschaft des zweiten Tages hatte schon Manches den Oxfordern abgeguckt, und man konnte dann und wann Contouren eines Zusammenspiels wahrnehmen. Wieder waren es Wagner, der unermüdliche Nicholson, Gramlick und Windett, die retteten, was zu retten war, und auch Mollisch wehrte so manchen Ball erfolgreich von seinem Thore ab. Shires war der Einzige, der den Ball überhaupt in das Oxforder Thor brachte, doch zählte der Erfolg leider nicht, da der Ball von ausserhalb des Feldes abgeschossen worden war. Russel, der englische Thorwächter, bekam auch einige Male zu thun, und er konnte seine Geschicklichkeit beweisen, indem er sogar auch in beträchtlicher Entfernung von seinem Thore den Ball unschädlich zu machen wusste.

    Exempla trahunt – heisst es für gewöhnlich. Der erste Gedanke, den die Herren vom Athletiksport-Club unter dem frischen Eindrucke der empfangenen Schlappe geäussert haben sollen, war der, schleunigst einen englischen Trainer zu engagiren. Ein lobenswerther Gedanke! Freilich wird es der Trainer allein nicht machen. Die Sache liegt tiefer. In England bildet die athletische Ausbildung der Jugend einen Hauptfactor der Erziehung, nicht so bei uns. Was dort auf denkbar breitester Basis seit vielen, vielen Generationen gehegt und gepflegt wird, das ist hierzulande unsystematisches Stückwerk. Das Wiener Comité zur Veranstaltung von Fussballwettspielen, das es sich zur Aufgabe gemacht har, diese klaffende Lücke ein wenig auszufüllen, hat sich, indem es unter ansehnlichem pecuniären Risico den Besuch der englischen Mannschaft in unserer Stadt herbeiführte, den Dank jedes Wieners erworben, der die erzieherische Rolle des Sports in körperlicher und moralischer Hinsicht erfasst.

    Zu dem Wettkampfe hatte sich eine bemerkenswerth zahlreiche Zuschauerschaft, darunter so mancher hochgeborene Vertreter der oberen Zehntausend, eingefunden, und der lebhafte Applaus wie insbesondere die urwüchsigen Beifallsausbrüche der anwesenden ‚goldenen’ Jugend bewiesen deutlich, dass das Verständniss[!] für den Sport heute bei uns doch schon im Wachsen ist.”

    (H., J.: Der Fussballkampf – Oxford – Wien. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 09.04.1899. S. 386. Letzter Zugriff: 04.03.2018.)

    “Was dort auf denkbar breitester Basis seit vielen, vielen Generationen gehegt und gepflegt wird, das ist hierzulande unsystematisches Stückwerk.”, gut, “viele, viele Generationen” lässt längere Zeit als vierzig bis siebzig Jahre (Rugby) vermuten. Denn in den meisten public schools wurden erst Ende der 1840er und in den 1850er Jahren Fußballvereine gegründet. Der hier genannte Verein aus Oxford gab es erst seit 28 Jahren.

    Neun Jahre später

    Neun Jahre später blickte ein Dr. Frey auf dieses Spiel zurück, das entscheidend für das Fußballspiel in Wien war.((Vgl. Frey, NN: Modernes Fussballspiel. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 31.10.1908. S. 1374.)) Er stellte fest, dass Wiener Fußballvereine mittlerweile das Kombinationsspiel erlernt haben, aber noch nicht alle Elemente des englischen Kombinationsspiels pflegen, so das Zusammenspiel von Verteidigern, Mittelfeld und Angriff.

    “Das Jahr 1899 bedeutete für die Entwicklung des kontinentalen Fußballsports einen richtigen Wendepunkt. Zum ersten Male trat eine englische Mannschaft die Oxonians unseren einheimischen [österreichischen] Spielern entgegen. Sie hinterließ ‚blutige’ Spuren. Die Treffer fielen in Masse. Spielend durchbrachen die Oxforder Stürmer die Reihen der Unseren und geradezu verblüffend war es, wie leicht sie dahin schwebten, während die Unseren sich im Schweiße des Angesichtes abmühten.

    Bald hatte man die Ursache ihres Erfolges heraus. Kombination ward das Schlagwort aller Fußballer. Das Training, bisher bloßer Zeitvertreib, wurde etwas systematischer. Hier übte sich einer darin, den Ball vor sich herzutreiben, dort war eine Gruppe mit der Kunst beschäftigt das Spiel zu bremsen, oder mit den Kopfstößen. Mancher Klub leistete sich sogar einen englischen Trainer. Und nicht zuletzt die alljährlichen Spiele mit den Engländern brachten uns schließlich dahin, wo wir heute sind.

    Waren wir früher so schwach, daß sich erstklassige englische Mannschaften mit dem Angriffsspiel genügen konnten, so sind wir jetzt soweit erstarkt, daß wir auch ihre gesamten Verteidigungskräfte zwingen, voll in Aktion zu treten.

    Und nun konnten wir erkennen, was sich allerdings voraussehen ließ, daß der Kombination der Angreifer eine Kooperation der Verteidiger entsprechen muß, sollen die letzteren aufkommen können. Geradezu klassisch zeigte dies Manchester United bei seinen heurigen Spielen in Wien. Dies ist neben der Überlegenheit der einzelnen Spieler als solcher die Hauptursache, warum ihre Mittel- und Verteidigungsspieler die Angriffe der Wiener, bevor sie sich überhaupt entfalten konnten, im Keime erstickten. Vor der Darstellung dieses vorbildlichen Verteidigungsspiels der Engländer ist es jedoch nötig, sich über unsere Verteidigung und deren Mängel klar zu werden.

    So wie eine Zahl vereinzelter Handwerker mögen sie auch eine übernormale Geschicklichkeit entfalten, auf die Dauer mit einer gleich großen Zahl, wenn auch nur normal veranlagter, aber kooperierender Arbeiter nicht konkurrieren kann, so liegt im Vergleich zu den englischen Hinterspielern die Schwäche unserer Deckungs- und Verteidigungsleute neben der schon erwähnten geringeren individuellen Spieltüchtigkeit vor allem darin, daß sie den kombinierenden, also mehr oder weniger einheitlich angreifenden Stürmern die eigenen Kräfte nur zersplittert entgegenstellen. Zwischen Deckung und Verteidigung im engeren Sinne herrscht ein ähnliches Verhältnis wie zwischen Schwarmlinie und Reserve. Nur wenn beide von vornherein einheitlich auftreten, können sie ihre Aufgabe erfüllen. Wenn aber die Reserve so weit hinter der Schwarmlinie steht, daß sie diese später erreichen kann als der angreifende Gegner, dann wird der Feind die im vereinzelt gegenübertretenden Teile leicht zurückwerfen. Was für den Krieg, gilt mutatis mutandis auch für das friedliche Wettspiel. Ein Beispiel wird dies zeigen: Der feindliche linke Flügel greift an; der rechte Mittelspieler wirft sich entgegen, wird aber, da er nur als einzelner auftritt, von den kombinierenden Stürmern passiert; für den Moment ist er erledigt. Nun kommt der rechte Verteidigungsspieler daran und da auch er nur seine individuelle Kraft der kombinierten seiner Gegner entgegenstemmen kann, wird er meist den kürzeren ziehen. Daß dies in Wirklichkeit nicht immer so zugeht, ist richtig. Es stehen einander eben nie völlig gleichwertige Gegner gegenüber und oft macht ein Mittel- oder Verteidigungsspieler einen taktischen Fehler durch individuelle Mehranstrengung wett. Dies ist bei uns sogar die Regel. Damit ist aber nicht die Theorie ad absurdum geführt. Denn wie in der Produktion, gilt auch bei der sportlichen Betätigung der oberste Grundsatz: Der Erfolg ist mit dem möglichst geringsten Aufwand dort von Produktiv-, hier von Leibeskräften zu erzielen.

    Schon diese Betrachtung unserer jetzigen Spielmethode zeigt, daß die Verteidigung der Kombination der Angreifer etwas Ähnliches entgegensetzen muß. Hat aber die Kooperation der Stürmer den Ball zum Gegenstande, weil sie ja ihn ins Tor jagen soll, so ist des bei der Hintermannschaft ausgeschlossen, denn vernichten heißt ihre Aufgabe und erst in zweiter Linie kommt die positive, unterstützende Tätigkeit. Danach ist es klar: Nicht der Ball, sondern die Spieler selbst sind hier sozusagen der Gegenstand der ‚Kombination’. Sie müssen durch eine zweckentsprechende, der wechselnden Situation sich immer anpassende Aufstellung derart zueinander in Beziehung stehen, daß sie von vornherein eine ‚Einheit darstellen. Nehmen wie das obige Beispiel: Wiederum attackiert der feindliche linke Flügel. Der rechte Half geht an und wird passiert. Aber in demselben Momente wirft sich auch schon der richtig stehende rechte Verteidiger entgegen, klärt oder hält wenigstens den Angriff auf und gibt dem Deckungsspieler Gelegenheit, sich zurückzuziehen und ihn nun seinerseits zu decken, während oben der Deckungsmann für den Moment ganz außer Gefecht gesetzt war.

    Für dieses ‚Stellungsspiel’ läßt sich folgendes Schema geben: Denken wir uns die Spieler in ihrer Grundaufstellung untereinander durch Gummischnüre verbunden. Was geschieht nun, wenn z. B. der eigene rechte Flügel zum Angriff übergeht? Die ganze Mannschaft wird nach vorne und rechts verschoben. Wer dem rechten Flügel näher ist, wird mehr, wer von ihm entfernter ist, wird weniger seine Stellung ändern müssen. Analog wird sich dann auch die Placierung beim Gegenangriff gestalten. Diese Schablone zeigt das Bewegungsgesetz, welches Verrücken und Rückzug der Mannschaften im Wettspiel beherrschen sollte.

    Allerdings, das bloße Wissen dieses Grundsatzes wird in der Praxis nicht viel nützen, wenn der einzelne nicht schon jene Fähigkeiten erworben hat, welche erforderlich sind, um dieses Prinzip zu verwirklichen. Ein gewisses Maß von physischer Kraft und technischem Können zwar wird man von jedem wünschen, den der Kapitän in die erste Mannschaft einstellt. [In der Mehrheit waren die Kapitäne noch gleichzeitig Trainer und Manager.] Aber die verlangten geistigen Fähigkeiten, welche zur Durchführung des Stellungsspieles erforderlich sind, können nur empirisch, je nach der Anlage, mit kürzerer oder längerer Wettspielpraxis erworben werden.

    Von wie vielen Momenten hängt nicht die jeweilige Position des einzelen ab?! Dabei muß die jedesmalige Situation im Nu beurteilt werden, weil im Wettspiel Bruchteile einer Sekunde eine entscheidende Rolle spielen. Zunächst wird der Spieler seine eigene Spielstärke gut kennen müssen, vor allem seine Schnelligkeit. Es gibt viele Verteidiger, die sich in dieser Hinsicht überschätzen. Im Vertrauen auf ihre Schnelligkeit pressen sie hart an die Deckungsreihe an, ein langer Paß quer über Feld, da braucht nur ein [Ludwig] Hussak dazwischen zu treten und das Unglück ist fertig. Ferner ist es erforderlich, die Spielstärke auch der Mitspieler zu kennen. Hiervon hängt ja die ‚Reichweite’ beispielsweise des Mittelspielers ab und danach wird der Verteidiger die Distanz und das Intervall, wie er sich ‚staffelt einrichten müssen. Weiters sind zu berücksichtigen: die Schnelligkeit der gegnerischen Spieler, ihre Spielmethode, ob sie kurzes oder langes Passen, Flügel- oder Dreiinnenspiel((2-3-5-System, siehe dazu auch Escher, Tobias: Vom Libero zur Doppelsechs. Hamburg 5^2017. S .42-43.)) forcieren etc. und schließlich spielen auch natürliche Umstände eine Rolle, z. B. die Windrichtung.

    Diese Momente in jedem Augenblick zu beurteilen, sofort den richtigen Entschluß zu fassen und ihn ebenso schnell in die Tat umzusetzen, dazu gehören zwei Eigenschaften, welche allerdings bei uns noch selten vereint angetroffen werden: Erfahrung und Aufmerksamkeit. Wer von Anfang an dem Spiele – nicht bloß dem Balle – folgt, wer von Zeit zu Zeit die eigene und feindliche Stellung überschaut, wer die Spielweise der speziell ihm gegenüberstehenden Gegner scharf beobachtet, und zwar auch dann, wenn er selbst momentan unbeschäftigt ist, wird in jeder Situation wenigstens beiläufig das Kommende ahnen, der wird, wenn er in Aktion treten soll, bereits richtig placiert sein und erfolgreich eingreifen können.

    Im allgemeinen läßt sich von Feinheiten absehend, dieses Gesetz des ‚Positionsspieles’ folgendermaßen formulieren: Nie auf gleicher Höhe, nie genau hintereinander aufgedeckt stehen; immer schief nach rückwärts gestaffelt, den Vorderen die Innenseite decken!
    Dr. Frey.”

    (Frey, NN: Modernes Fussballspiel. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 31.10.1908. S. 1374. Letzter Zugriff: 04.03.2018.)

    Fotocredits

    Fotografie des Oxford University AFC vor seiner Reise nach Österreich. In: Allgemeine Sportzeitung [Wien], 25.03.1899. S. 323.

    [cite]
  • Der feine Sportlikör “Hahohe”

    Der feine Sportlikör “Hahohe”

    Kurz stutzte ich, als ich in der wöchentlich erschienenen Arbeitssport-Zeitschrift namens Freie Sport-Woche die Überschrift “Wer kennt den feinen Sportlikör ‘Hahohe’?” las. Werbung? – Nein. Kommt daher der Ruf der Hertha-Fans? – Nein, den gab es schon vorher und gab dem Likör den Namen.

    Ich bin mir nur nicht sicher, ob es sich bei dem Artikel um die Wahrheit oder eine Verulkung des “bürgerlichen Fußballsports” durch die Arbeitssport-Zeitschrift handelt. “Bürgerlich” bezeichnet diese Zeitschrift Vereine, die zum DFB gehörten und professionell und kapitalistisch agierten – im Gegensatz zum Arbeitersport.

    Vielleicht kennt jemand den Likör oder weiß, dass es nur eine Verspottung ist.

    Ergänzung: Dank @blauesgehirn weiß ich nun, dass Willi Kirsei kein Unbekannter, sondern eine Legende war, die Hertha zur Meisterschaft 1930/31 führte. Was einen bei der Lektüre des Artikels noch mehr schmunzeln lässt.

     

    Wie auch immer – hier der gesamte Artikel aus: Freie Sport-Woche. Zeitschrift für Spiel und Sport 12 (1930). S. 209-210 (= Nummer 13, 31. März 1930).

     

    Wer kennt den feinen Sportlikör “Hahohe”?

    Wilh. Busch, einer unserer feinsten Humoristen prägte einmal das sehr bedeutsame Verschen: ” Es ist ein Brauch von alterher, wer Sorgen hat, hat auch Likör!”[.] Ob der Wahrheit und Weisheit dieses Lätzchens braucht sich niemand zu streiten, der einen offenen Blick für die Seiten des Lebens hat.

    Inwieweit dieser Ausspruch aber auch auf das sportliche Leben in Bezug gebracht werden konnte, lag bisher immer noch in ungeträumten Träumen begraben.

    Aber auch hier hat sich dieser Tage eine Wandlung vollzogen. Jetzt wissen wir, daß “geistreiche” Sportfreunde für den Sport etwas erfunden haben (für den bürgerlichen selbstverständlich nur), das ihn bestimmt jetzt besser auf die Beine bringen wird.

    Stand dieser Tage da in einem bürgerlichen Berliner Sportblättchen in großer Inseratenaufmachung;

    “Ha, Ho, He – edelster Feinbittersportlikör.
    Generalvertreter: Willi Kirsei!”

    Als Erklärung ist dazu folgender Anhang gemacht, um die Sache richtig zu begreifen:

    Mit “Ha, Ho, He!” zogen in den letzten Jahren die Berliner “Herta”-Leute immer in den Kampf[,] um  die Deutsche Fußballmeisterschaft. Der Schlachtruf “Ha, Ho, He, Herta BSC” sollte, von ihrer Anhängerschaft tausendfach gebrüllt, der Herta-Mannschaft öfter schon zum Meistertitel verhelfen. Aber leider – mit den bloßen Wort war’s nie allein getan. Eben deshalb wohl hat ein findiger Kopf den Ha-Ho-He-Feinbitterlikör erfunden. Mit dessen “Hilfe” man wohl nun glaubt, einmal Meister werden zu können. Das Interessanteste aber an der Geschichte ist die Person des Generalvertreters. Herr Kirsei ist schon lange Zeit Spieler bei Herta BSC. Von ihm ist auch die Tatsache bekannt, daß er als “Amateurspieler” Tagesspesen in Höhe von 15 M. erhält, die aber nur als Aufwandsentschädigung gelten für Trainingsunterricht. Na, schon gut. Wir “glauben” das gern, sind doch die Begriffe Amateur oder Berufsspieler in  d e m  Lager eng miteinander verbunden.

    Im allgemein aber werden durch den Feinbittersportlikör  H a h o h e  die Aussichten sich im bürgerlichen Felde weisen, dem Sport nun auch in dieser Sache mehr “Vergeistigung” antun zu können. Denn man to! Wir gratulieren herzlichst zu diesem Fortschritt. Er wird den bürgerlichen Sport nun auf andere Füße stellen, und der Herr Generalvertreter wird die Bestellung in Zeiten der Meisterschaft kaum erledigen können. Prost drauf! Heil und Sieg! – – – E. F.”

  • „Ich schrieb verhältnismäßig viel.” – Eine erste Auswertung

    „Ich schrieb verhältnismäßig viel.” – Eine erste Auswertung

    Wie schon angekündigt, habe ich mich mit der detaillierten Auflistung von erhaltener und versandter Post von Philipp Weinheimer beschäftigt. Er schrieb zwischen 1940 bis März 1945 insgesamt 1459 ((Philipp Weinheimer schrieb schon auf der ersten Seite des Postausgangs: „Ich schrieb verhältnismäßig viel. Zuerst im R.A.D. in Dahnen (Eifel)“, S. 70. Er schrieb durchschnittlich knapp eine Karte, Briefe oder ähnliches pro Tag, sofern man die Dauer der fehlenden Einträge und Urlaube in Ockenheim nicht mitzählt.))

    an Karten und Briefen (auch wenigen Telegrammen) und erhielt 714 an Briefen, Karten, Päckchen, Telegrammen und auch Zeitungen ((Zwei von der NSDAP, eine nicht näher genannte von Fr. Bierschenk aus Ockenheim.)).

    Die geschriebene Post besteht vor allem aus den 817 Briefe (56,4% ((Die Prozentangaben sind immer auf die zweite Nachkommastelle gerundet.)) ) und 635 Karten (43,5%), die erhaltene aus 495 Briefen (69,33%), 159 Karten (22,27%) und 60 Päckchen (8,4%). Er erhielt also rund die Hälfte an Post wie er schrieb.

    Während er so gut wie nie während seiner Heimaturlaubsaufenthalte Post schrieb und erhielt (eine Ausnahme) gibt es noch ein paar weitere Lücken bei den Aufzeichnungen, die insbesondere das Jahr 1942 betreffen und die restliche Kriegszeit ab dem März 1945. Durch das Tagebuch, das er 1942 in einem Kalender führte, lässt sich der Briefverkehr vom 11. Mai bis 15. Juli 1942 rekonstruieren.

    Zur besseren Übersicht hier eine komplette Übersicht:

    Zur Auswertung

    Die Auswertung ist zunächst nur reine Statistik – und ich weiß nicht, ob ich mehr dazu überhaupt veröffentlichen kann. Nicht wegen des rheinland-pfälzischen Archivrechtes – 1940-1945 ist mehr als 60 Jahre vorbei – , sondern viel mehr der Sinnhaftigkeit von Namensauflistungen wegen. Ein einziger Brief ist erhalten; einen Briefverkehr anhand von Briefen und Aufzeichnungen zu rekonstruieren ist inhaltlich nicht möglich. Gut, ich kann den Schriftverkehr zwischen Ph. Weinheimer und beispielsweise seinen Eltern datumsgenau sortieren, aber ich glaube nicht, das es viel bringt; der Kontakt zwischen ihnen war nicht abgebrochen und war unregelmäßig. Auswerten werde ich aber trotzdem – in der Hoffnung, dass sich doch Unregelmäßigkeiten ergeben, denen ich auf den Grund gehen kann. Mit einem Soldaten aus Wiesbaden-Igstadt hatte er noch 1957 Kontakt. Vielleicht habe ich Glück und die Dame, die heute das Haus bewohnt, ist eine Nachkommin von ihm und besitzt Briefe von meinem Opa. Ansonsten bleibt es bei dieser Auswertung.

    Die Auflistung

    Im Folgenden habe ich die erhaltene und geschriebene Post nach seinen in “Posteingang” und “Postausgang” genannten Stationen[1]Und mit Hilfe von “Wo war ich 1940-1945” in der Kladde auf den Seiten 50-52. aufgeteilt:

    Dahnen (R.A.D.) (2. bis 30. Oktober 1940)

    • Erhalten (7 Karten, 17 Briefe, 4 Päckchen)
    • Geschrieben: 65 (33 Karten, 32 Briefe) (= 4,46% von allen, 2,32 Geschriebenes pro Tag)

    Koblenz (R.A.D., Generalstabswache) (1. November bis 8. Dezember 1940)

    • Erhalten: 54 (Darunter 2 Päckchen. Karten und Briefe wurden hier nicht unterschiedlich gekennzeichnet)
    • Geschrieben: 93 (52 Karten, 41 Briefe) (= 6,37% von allen, 2,45 Geschriebenes pro Tag)

    Kesfeld (R.A.D) (9. Dezember 1940 bis 30. Januar 1941)

    N.B.: Zum 31. Januar 1941 wurde er aus dem R.A.D. entlassen.

    • Erhalten: (24 Karten, 33 Briefe, 13 Päckchen, 2 nicht weiter genannte Arten)
    • Geschrieben: 97 (48 Karten, 49 Briefe) (= 6,65% von allen, 1,54 Geschriebenes pro Tag)

    Ockenheim (Urlaub) (31. Januar bis 4. Februar 1941

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Koblenz-Pfaffendorf (A.E.A. 179) (8. Februar bis 28. Juni 1941)

    N.B. Zwischen dem 3. und 5. April 1941 lebte er bei den Brüder Kohns in der Grabenstraße 60, Ochtendung.

    • Erhalten: 108 (37 Karten, 57 Briefe, 14 Päckchen)
    • Geschrieben: 174 (106 Karten, 68 Briefe) (= 11,93% von allen, 1,24 Geschriebenes pro Tag)

    Verdun (A.E.A. 179) (29. Juni bis 18. Juli 1941)

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Ockenheim (Urlaub) (18. Juli bis 2. August 1941)

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Verdun (A.E.A. 179) (3. August bis 27. November 1941)

    N.B. Am 3. August und 5. Oktober 1941 in Paris.

    • Erhalten: 101 (14 Karten, 76 Briefe, 11 Päckchen)
    • Geschrieben: 130 (17 Karten, 113 Briefe) (= 5,76% von allen, 1,33 Geschriebenes pro Tag)

    Ockenheim (Urlaub) (28. November bis 13. Dezember 1941)

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Verdun (A.E.A. 179) (14. Dezember 1941 bis 12. Januar 1942)

    N.B. Am 25. Dezember 1941 „im Stall“ als „Stallwachhaltender“.

    • Erhalten: 37 (11 Karten, 21 Briefe, 5 Päckchen)
    • Geschrieben: 81 (48 Karten, 33 Briefe) (= % von allen, 2,89 Geschriebenes pro Tag)

    Zwischen 12. Januar und 10. Oktober 1942 fehlen die Einträge sowohl im Postausgang, im Posteingang sogar bis 30. Oktober 1942. Eventuell finden sich für diese Zeitspanne Aufzeichnungen im Kalender 1942.

    Nancy (A.E.A. 179) (12. bis 13. Januar 1942)

    • Eintragungen fehlen

    St. Wendel (A.E.A. 179) (14. bis 31. Januar 1942)

    • Eintragungen fehlen

    Transport St. Wendel nach Ostpreußen (A.E.A. 179) (1. bis 4. Februar 1942)

    • Eintragungen fehlen

    Schilino (A.E.A. 179) (4. bis 12. Februar 1942)

    N.B. Während dieser Tage lebte er bei „Bauer Hermann Pausat, Schillau (Ostpreussen[!]), Ortsteil Billen“.

    • Eintragungen fehlen

    St. Petersburg (A.E.A. 179) (12. Februar bis 18. Juli 1942)

    N.B. Einträge anhand des Tagebuchs von 1942 für den Zeitraum vom 11. Mai bis 15. Juli 1942.

    • Erhalten: 53 (8 Karten, 20 Briefe, 23 Päckchen[2]Philipp Weinheimer wurde am 12. Juni 1942 volljährig, was die Päckchenflut im Juni erklärt., 2 Zeitschriften)
    • Geschrieben: 46 (17 Karten, 29 Briefe)

    St. Petersburg (Hauptverbandsplatz) (18. bis 24. Juli 1942)

    • Eintragungen fehlen

    Narwa (Luftwaffenortslazarett) (25. bis 30. Juli 1942)

    • Eintragungen fehlen

    Giżycko (Lazarett) (1. August bis 20. September 1942)

    • Eintragungen fehlen

    Giżycko (Urlaub) (20. September bis 20. Oktober 1942)

    • Eintragungen fehlen

    Giżycko (Lazarett) (20. bis 24. Oktober 1942)

    • Erhalten: Eintragungen fehlen
    • Geschrieben: 18 (14 Karten, 4 Briefe)

    Lüneburg (Reservelazarett) (25. Oktober bis 17. November 1942)

    • Erhalten: 27 (4 Karten, 22 Briefe, 1 Päckchen)
    • Geschrieben: 34 (14 Karten, 20 Briefe)

    Ingelheim (Reservelazarett) (17. November 1942 bis 22. Juni 1943)

    N.B. Zwischen dem 8. Dezember 1942 und dem 1. Mai 1943 sind keine erhaltenen Briefe verzeichnet.

    • Erhalten: keine[3]„Ingelheim“ steht zwar in der Kladde, aber es sind keine aufgelistet. Möglicherweise war hier im Gegensatz zum Lazarett in Bingen ein Besuch möglich.
    • Geschrieben: 71 (37 Karten, 34 Brief)

    Bartoszyce (Genesungsurlaub) (23. Juni bis 20. Juli 1943)

    • Erhalten: Eintragungen fehlen
    • Geschrieben: 9 (4 Karten, 5 Briefe)

    Bartoszyce (G.E.B. 44) (21. Juli bis 28. Juli 1943)

    • Eintragungen fehlen

    Bartoszyce (Arbeitsurlaub) (28. Juli bis 15. August 1943)

    • Eintragungen fehlen

    Bartoszyce (G.E.B. 44) (15. August bis 25. September 1943)

    • Erhalten: 43 (11 Karten, 31 Briefe, eine Zeitung[4]Am 24. September 1943 erhielt Philipp Weinheimer eine Zeitung von Fr. Bierschenk aus Ockenheim.)
    • Geschrieben: 64 (23 Karten, 42 Briefe)

    Bartoszyce (Arbeitsurlaub) (26. September bis 14. Oktober 1943)

    • Erhalten: 6[5]Alle sechs erhielt er am 13. Oktober 1943. (2 Karten, 4 Briefe)
    • Geschrieben: nichts

    Bagrationowsk (U-Lehrgang) (15. Oktober bis 27. November 1943)

    • Erhalten: 31 (4 Karten, 25, Briefe, 2 Päckchen)
    • Geschrieben: 52 (15 Karten, 37 Briefe)

    Bartoszyce (G.E.B. 44) (27. November 1943)

    • Erhalten: nichts
    • Geschrieben: 5 (1 Karte, 4 Briefe)

    Bartoszyce (Jahresurlaub) (28. November bis 17. Dezember 1943)

    • Erhalten: (1 Brief)
    • Geschrieben: nichts

    Bartoszyce (G.E.B. 44) (17. bis 23. Dezember 1943)

    • Erhalten: (3 Karten, 9 Briefe)
    • Geschrieben: 29 (24 Karten, 5 Briefe)

    Olsztyn (24. bis 27. Dezember 1943)

    • Erhalten: nichts
    • Geschrieben: 5 (4 Briefe, 1 Telegramm)

    Unbekannt (28. bis 31. Dezember 1943)

    N.B. Möglicherweise war er unterwegs von Olsztyn nach St. Petersburg.

    • Eintragungen fehlen

    St. Petersburg (G.E.B. 44) (1. bis 18. Januar 1944)

    • Erhalten: 1 (1 Karte)
    • Geschrieben: 35 (21 Karten, 14 Briefe)

    Riga (Hauptverbandsplatz, Feldlazarett) (19. Januar bis 8. Februar 1944)

    N.B. Am 8. Februar 1944 mit der „Ju 52“ nach Kaliningrad ausgeflogen. Weiterer Weg nach Stollberg unbekannt. Am 30. Januar 1944 „von Kbg.“. In der Übersicht seiner Stationen vermerkt Philipp Weinheimer aber, er sei am 8. Februar 1944 von Riga nach Kaliningrad ausgeflogen.

    • Erhalten: nichts
    • Geschrieben: 2 (1 Karte, 1 Brief)

    Stollberg im Erzgebirge (Reservelazarett) (9. Februar bis 5. März 1944)

    • Erhalten: 21 (1 Karte, 16, Briefe, 3 Päckchen, 1 Telegramm)
    • Geschrieben: 39 (12 Karten, 27 Briefe)

    Bingen (Reservelazarett) (6. März bis 19. April 1944, 4. Mai 1944)

    • Erhalten: 39 (5 Karten, 34 Briefe)
    • Geschrieben: 28 (16 Karten, 12 Briefe)

    Ockenheim(?) (Genesungsurlaub) (20. April bis 4. Mai 1944)

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Bartoszyce (Ersatzbataillon) (5. bis 28. Mai 1944)

    • Erhalten: 21 (2 Karten, 18 Briefe, 1 Päckchen)
    • Geschrieben: 41 (16 Karten, 25 Briefe)

    Bartoszyce (Abstellurlaub) (29. Mai bis 16. Juni 1944)

    • Erhalten: nichts
    • Summe der geschrieben Post: 8 (6 Karten, 2 Briefe)

    Bartoszyce (Ersatzbataillon) (17. bis 20. Juni 1944)

    N.B. Für den 17. Juni 1944 ist im Kriegstagebuch ein „Passierschein“ für ein dreiköpfiges „Marsch-Komp. G.E.B. 44“ bei gelegt, zu dem auch Philipp Weinheimer gehörte: „Der Gefr. Weinheimer, Gefr. Vogt, Stgfr. Pengert befindet[!, da Vordruck] sich auf dem Wege zum Bahnhof.“ Es unterschrieb Oberleunant und „Kp.-Chef“ Heinrich.

    • Erhalten: 6 (2 Karten, 4 Briefe)
    • Geschrieben: 15 (11 Karten, 4 Briefe)

    St. Petersburg (Front) (23. Juni bis 24. Juli 1944)

    • Erhalten: 21 (19 Briefe, 2 Zeitungen der NSDAP)
    • Geschrieben: 78 (22 Karten, 56 Briefe)

    Hapsala (imKriegslazarett) (25. Juli bis 6. August 1944)

    • Erhalten: nichts
    • Summe der geschrieben Post: 1 (1 Brief)

    Bad Kösen (Reservelazarett) (6. August bis 10. September 1944)

    • Erhalten: 30 (2 Karten, 27 Briefe, 1 Päckchen)
    • Geschrieben: 40 (15 Karten, 25 Briefe[6]Ein Brief vom vermutlich 6. August an seine Eltern ist erhalten geblieben.

    Ingelheim (Reservelazarett) (11. September 1944)

    • Erhalten: nichts
    • Geschrieben: 40 (16 Karten, 24 Briefe)

    Rüdesheim (im Reservelazarett) (12. bis 16. September 1944)

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Ockenheim (Urlaub) (17. September 1944)

    • Erhalten: 3 (3 Briefe (Paula, Liesel Weis, Walter))
    • Geschrieben: 3 (1 Karte, 2 Briefe)

    Kiedrich (Reservelazarett) (17. bis 23. September 1944)

    • Erhalten: nichts
    • Summe der geschrieben Post: 4 (1 Karte, 3 Briefe)

    Lazarettzug (24. bis 25. September 1944)

    • Keine Post erhalten und geschrieben

    Plauen (Reservelazarett, Centralhalle) (25. September 1944 bis 19. April 1945)

    N.B. Die letzte eingetragene, versendete Post datiert vom 3. März 1945, die letzte erhaltene Post am 1. März 1945. Am ersten Weihnachtsfeiertage lebte Philipp Weinheimer bei „Familie Albin Münnich, Jößnitz i. Vogtland über Plauen i. V.“. Am 18. November 1944 war er in Ockenheim (wegen Hochzeitstag der Eltern?).

    • Erhalten: 111 (10 Karten, 97 Briefe, 3 Päckchen, 1 Telegramm)
    • Summe der geschrieben Post: 210 (74 Karten, 130 Briefe, 6 Telegramme)

    In der Kladde liegt auch ein DIN A6-großer Zettel für die Zeit zwischen dem 8. Januar und dem 16. März 1945 mit insgesamt 33 Namen. Unklar bleibt, ob es sich um versendete oder empfangene Post handelt. Als Art wird „M“ angegeben.

    Grünbach (Reservelazarett) (20. April bis 10. Juni 1945)

    • Eintragungen fehlen

    Plauen (Kriegsgefangenenlager) (11. bis 14. Juni 1945)

    • Eintragungen fehlen

    Erfurt (15. bis 17. Juni 1945)

    • Eintragungen fehlen

    „wieder daheim“ (ab 18. Juni 1945)

    [Ende der Eintragungen.]

    Bildnachweis:

    Fußnoten

    Fußnoten
    ↑1 Und mit Hilfe von “Wo war ich 1940-1945” in der Kladde auf den Seiten 50-52.
    ↑2 Philipp Weinheimer wurde am 12. Juni 1942 volljährig, was die Päckchenflut im Juni erklärt.
    ↑3 „Ingelheim“ steht zwar in der Kladde, aber es sind keine aufgelistet. Möglicherweise war hier im Gegensatz zum Lazarett in Bingen ein Besuch möglich.
    ↑4 Am 24. September 1943 erhielt Philipp Weinheimer eine Zeitung von Fr. Bierschenk aus Ockenheim.
    ↑5 Alle sechs erhielt er am 13. Oktober 1943.
    ↑6 Ein Brief vom vermutlich 6. August an seine Eltern ist erhalten geblieben.
  • “Aus dem Soldatenleben”

    “Aus dem Soldatenleben”

    Nachdem ich vor einigen Wochen bereits Erinnerungen von Philipp Weinheimer zu seiner dritten Verletzung 1944 veröffentlicht habe, folgen nun drei weitere Seiten über seine Zeit als Soldat zwischen 1940 und 1942, die er in einer Kladde veröffentlicht hat.

    In dieser Kladde “Kriegstagebuch” sammelte er während des 2. Weltkrieges diverse Erinnerungen, die teilweise in folgenden Blogbeiträgen veröffentlicht werden. Denn in der Kladde enthalten sind auf der ersten Seite seinen verschiedenen Feldpostnummern[1]Zunächst an zwei verschiedenen Stationen als “Arbeitsmann”, dann als “Fahrer” der Augusta-Kaserne in Koblenz-Pfaffendorf, als “Soldat” und schließlich wieder als … Continue reading Im folgenden schildert er knapp seinen Wechsel vom Reichsarbeitsdienst bis zur ersten Verwundung (1940-1942), die im Folgenden transkribiert wiedergegeben wird.

    Es folgen sechs Adressen zu Herren aus Mittel- und Norddeutschland[2]Möglicherweise lernte er sie während des Krieges kennen. und einige kurze, vermutlich selbstgereimte Gedichte. Daran schließen die Adressen seiner Quartiere während seiner Genesungen an, eine Seite weitere “Sprüche”, eine mit Namenstagen und Geburtstagen [3]Unter anderem seiner späteren Frau Marianne., “Filme, die ich in Plauen gesehen habe” (43 in ca. 2 Monaten!) und weitere in Mainz und Gau-Algesheim nach seiner Heimkehr.

    Nach einem einseitigen Lazarettbericht aus Ingelheim, der Auflistung, wo er zwischen 1940 und 1945 lebte und einem eingelegten Passierschein vom 17.6.44 [4]”[…] befindet sich auf dem Weg zum Bahnhof […]”., folgte eine wunderbare Quelle, die ich ausgewertet im nächsten Blogeintrag vorstellen werde: Alle während 1940 – 1945 geschriebene und erhaltene Feldpost. Leider nicht den Inhalt, aber zumindest das Datum, der Adressant/Adressat und ob es sich um einen Brief oder eine Postkarte handelte – gegliedert nach seinem derzeitigen Aufenthaltsort. Über mehrere Seiten. Ich hoffe, dass es mir gelingt, wenigstens einige der genannten Personen einzuordnen. Das soll hier aber nicht geschehen, sondern beide weiteren, oben erwähnten Berichte über die Zeit zwischen 1940 und 1942 wiedergegeben werden.

    Aus dem Soldatenleben


    “Am 2. Oktober 1940 bin ich zum Reichsarbeitsdienst eingerückt. In Mainz war Sammelpunkt. Mit einem Sonderzug fuhren wir bis Niederüllfeld. Bis zum Lager waren es noch 18 Km. Am 31. Okt. bin ich nach Koblenz kommandiert worden zur Gaustabswache. Dort bleib ich bis 9. Dez. Dann zu dem inzwischen nach Kerfeld (Eifel) verlegten Lager zurück. Weihnachten war ich auch dort, ebenso Neujahr. Am 30. Jan. 41 wurden wir aus dem R. A. D. entlassen.
    Am 5. Februar ging es schon wieder fort. Zu der Artillerie Ersatz Abteilung 179 nach Koblenz[-]Pfaffendorf[,] Augusta-Kaserne[,] Stube 46. Als Fahrer. Hans Dickenscheid ((Mit Hans Dickenscheid fuhr er auch Paraden. Der sehr sportliche Hans turnte dabei auf den sechs oder acht eingespannten Pferden, während Philipp sie lenkte.))  ist bei mir. Am 28. Juni rückte ich mit dem Vorkommando nach Frankreich: Verdun. Vom 18. Juli bis 2. Aug. hatte ich Arbeitsurlaub. Am 4.[,] 5. u. 6. Okt. war ich in Paris. Eine 3 tägishe[!] Besichtigung. War sehr schön. Am 1. Okt. wurde ich Oberkan[?]. Vom 28. Nov. bis 13. Dez. hatte ich Jahresurlaub. […]

    […] Am 9. Januar 42. wurde ich plötzlich mit Walter und Adolf abgerufen u. feldmarschmäßig eingekleidet. ((Vom des Ereignissen des Jahres 1942 berichtet tagesgenau sein erhaltener Taschenkalender. Edition folgt!)) 12. Januar Abfahrt Verdun nach Nancy dann nach St. Wendel. Dort wurde der Marschbattalion zusammengestellt. Mit einem Transportzug am 1. Febr. ab St. Wendel. Die Fahrt ging über Bad Kreuznach[,] Friedberg, Kassel, Magdeburg, Berlin, Thorn, Schillen. Dort wurden wir am 4. Febr. morgens ausgeladen. Privatquartier bei Bauer Herrmann Privat.
    12. Febr. Abfahrt mit L. K. W. Schaulen, Mitau, Riga, Wolmar, Dorpert, Petersburg, Ljuban. Ich kam zu der 9. I. R. 44. [?] Am 18. Juli 1942 wurde ich in den schweren Abwehrkämpfen auf dem Wolschowbrückenkopf schwer verwundet; Schulterblattschußbruch rechts. Auf dem Hauptverbandsplatz gleich operiert. 24.7. im Luftwaffenlaz. Narwa. 1. August nach Lötzen (Ostpr.)[.] Von dort fuhr ich in Genesungsurlaub; 20.9.-20.10.42. Am 24.10. verlegt nach Res. Laz. Lüneburg. Am 18.11. nach Ingelheim Teil.[!]-Laz. Neue Schule.“[5]Der Brief in der Kladde auf den Seiten 4 und 5.

    Aus meinem Soldatenleben

    (Fortsetzung von Seite 5.)
    Aus dem Res. Lazarett Ingelheim bin ich Ende Juni 43 mit 4 Wochen Genesungsurlaub entlassen [worden]. Nach Ablauf dieses Urlaub’s[!] hatte ich mich bei dem Grenadier-Ersatz-Batallion 44 in Bartenstein / Ostpreussen zu melden. Ein glücklicher Zufall war es, daß noch ein Ockenheimer in derselben Kaserne war. Es war Karl Janz
    [6]Karl Janz war etwas gleichaltrig wie Philipp Weinheimer ist aber wenige Jahrzehnte nach dem Krieg schon früh verstorben.. Wir waren oft zusammen und haben uns gut verstanden. – Bei der ersten Untersuchung bei dem Truppenarzt wurde ich 2 Monate g. v. H. geschrieben. Es war zu der Zeit ein Arbeitsurlaub[s]gesuch für mich gemacht worden, welcher auch genehmigt worden ist. Ich bin dann wieder für 14 Tage in Urlaub gefahren. Die Fahrt im Fronturlauber-Schnellzug war schön. Ich bin in Königsberg eingestiegen u. nach 21 Stunden Fahrt in Franfurt a. M. ausgestiegen. Ich habe für die ca. 1200Km. lange Bahnstrecke rund 30 Std. gebraucht.“[7]Der Brief ist in der Kladde auf der Seite 34.

    Damit endet die knappe Berichterstattung über die Aufenthalte während der Kriegsjahre.

    Fußnoten

    Fußnoten
    ↑1 Zunächst an zwei verschiedenen Stationen als “Arbeitsmann”, dann als “Fahrer” der Augusta-Kaserne in Koblenz-Pfaffendorf, als “Soldat” und schließlich wieder als “Arbeitsmann” nach seiner dritten Verwundung im thüringischen Effelder / Eichsfeld.
    ↑2 Möglicherweise lernte er sie während des Krieges kennen.
    ↑3 Unter anderem seiner späteren Frau Marianne.
    ↑4 ”[…] befindet sich auf dem Weg zum Bahnhof […]”.
    ↑5 Der Brief in der Kladde auf den Seiten 4 und 5.
    ↑6 Karl Janz war etwas gleichaltrig wie Philipp Weinheimer ist aber wenige Jahrzehnte nach dem Krieg schon früh verstorben.
    ↑7 Der Brief ist in der Kladde auf der Seite 34.