• „Ich schrieb verhältnismäßig viel.“ – Eine erste Auswertung

    Wie schon angekündigt, habe ich mich mit der detaillierten Auflistung von erhaltener und versandter Post von Philipp Weinheimer beschäftigt. Er schrieb zwischen 1940 bis März 1945 insgesamt 1459 ((Philipp Weinheimer schrieb schon auf der ersten Seite des Postausgangs: „Ich schrieb verhältnismäßig viel. Zuerst im R.A.D. in Dahnen (Eifel)“, S. 70. Er schrieb durchschnittlich knapp eine Karte, Briefe oder ähnliches pro Tag, sofern man die Dauer der fehlenden Einträge und Urlaube in Ockenheim nicht mitzählt.)) an Karten und Briefen (auch wenigen Telegrammen) und erhielt 714 an Briefen, Karten, Päckchen, Telegrammen und auch Zeitungen ((Zwei von der NSDAP, eine nicht näher genannte von Fr. Bierschenk aus Ockenheim.)). Die geschriebene Post besteht vor…

  • „Aus dem Soldatenleben“

    Nachdem ich vor einigen Wochen bereits Erinnerungen von Philipp Weinheimer zu seiner dritten Verletzung 1944 veröffentlicht habe, folgen nun drei weitere Seiten über seine Zeit als Soldat zwischen 1940 und 1942, die er in einer Kladde veröffentlicht hat. In dieser Kladde „Kriegstagebuch“ sammelte er während des 2. Weltkrieges diverse Erinnerungen, die teilweise in folgenden Blogbeiträgen veröffentlicht werden. Denn in der Kladde enthalten sind auf der ersten Seite seinen verschiedenen Feldpostnummern[1]Zunächst an zwei verschiedenen Stationen als „Arbeitsmann“, dann als „Fahrer“ der Augusta-Kaserne in Koblenz-Pfaffendorf, als „Soldat“ und schließlich wieder als … Continue reading Im folgenden schildert er knapp seinen Wechsel vom Reichsarbeitsdienst bis zur ersten Verwundung (1940-1942), die im Folgenden transkribiert wiedergegeben wird.…

  • 24. Juli 1944, St. Petersburg. Ein Brief von Philipp Weinheimer

    Edition eines undatierten Briefes von Philipp Weinheimer (1921-2006), der Ende des 2. Weltkrieges an der Front in St. Petersburg stationiert war. Im Brief blickte er auf den 24. Juli 1944 zurück, als ein russischer Angriff ihn schwer am Arm verwundete. Zuvor war er als Soldat bei der unsäglichen Leningradblockade beteiligt, aber bereits Mitte Januar mit einer schweren Armverletzung ausgeflogen worden. „24. Juli 1944 …….. Der Tag beginnt, ohne daß er sich von den vorherigen wesentlich unterschieden hätte. Nur die unheimliche Waffenruhe des Russen am Vortrage drückt auf die Stimmung. Was wird der Montag bringen? Wir hatten am Sonntag mit einem russischen Angriff gerechnet …. Ich hatte von 2-4 Uhr Posten…

  • Neues von Ockeghem, Okegem und Ockenheim …

    Vor wenigen Wochen habe ich hier über meine Überlegungen dargestellt, wieso der flämische Komponist Jean Ockeghem in der Literatur auch mit dem Nachnamen „Ockenheim“ genannt wird. Am unteren Ende des Artikels habe ich noch einige Ergänzungen vorgenommen, u.a., dass ich das Archiv  von Ninove angeschrieben habe. Heute bekam ich Antwort aus Belgien mit einem Zitat, offenbar übernommen von der Seite der Heimatvereins (?, „heemkring“) von Okegem: Als 13. Punkt verfasste Herman van Isterdael eine Übersicht über die Herkunft des Ortsnamens, genanntes Zitat in der Mail. Der Text behandelt die verschiedenen Schreibweise des belgischen Ortes Okegem, heute Stadtteil von Ninove, in früheren Jahrhunderten. Allzu leicht erkennt man die lautmalerische Nähe zu…

  • Johannes Ockenheim alias Jean Ockeghem

    Im hohen Mittelalter entstanden die Nachnamen infolge des steigenden Selbst-Bewusstseins des städtischen Bürgertums. Auch das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene häufige Namensgleichheit soll zu der Entstehung und Etablierung beigetragen haben. Jedenfalls orientierten sich die „Beinamen“ an der Herkunft (speziell bei Adeligen/Ministerialen), dem Beruf (städtisches Bürgertum) oder waren anderweitige Überbegriffe („Krumm“, „Winter“, „Fuchs“, …). Auch aus den Rufnamen des Vaters entstanden sie (Jakobssohn -> Jacobsen -> Jacobs -> Jacob). Bei der Heirat nahm Frauen meist den „Beinamen“ des Mannes an. „Ockenheim“ als Beiname So trugen auch die Herren von Ockenheim der Ockenheimer Burg nach ihrem Vornamen den Zusatz „von Ockenheim“. Über die wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen der Ministeriale des Mainzer Erzbischofs geben…

  • Forschungen zur Vereinsgeschichte

    Seit Beginn des Jahres befasse ich mich mit der Vereinsgeschichte des ältesten Ortsvereins, des Männergesangvereins 1866 Ockenheim. Es sind zwei Protokollbücher, zwei Kassenbücher und für die letzten Jahrzehnte mehrere Ordner überliefert – allerdings beginnt das erste Kassenbuch erst 1889, das Protokollbuch gar erst 1899. Dass es vorher kein Protokollbuch gab, belegt der Beginn des ersten Protokollbuchs: Auch legte er [„Lehrer Schmitt“, aktueller Chorleiter] es in zündenden Worten den Vereinsmitgliedern ans Herz, das Monatsgeld jeden Monat zu erheben, und für genaue Buchführung sowohl in Bezug auf die Beschlüsse des Vorstandes, welche säm(m)tlich zu Protogoll[!] aufgenommen in ein extra dazu eingerichtetes Protogollbuch[!] einzuführen seien, als auch dafür Sorge zu tragen, daß in…

  • Das Musikwesen in England 1760-1840

    Diese Hausarbeit habe ich im Sommersemester 2011 im Seminar „Fairest Isle, alle isles excelling – englische Kultur, Gesellschaft und Lebenswelten 1760-1840“ bei Prof. Dr. Josef Johannes Schmid (Geschichte, Uni Mainz) verfasst. Einleitung Das pulsierende Londoner Konzertleben um 1800 übertraf selbst jenes von Paris und Wien. In den vielen Theatern und im Sommer zusätzlich in den pleasure gardens – besonders Vauxhall und Ranelagh – wurden Opern und andere musikalische Unterhaltungen regelmäßig und an mehreren Tagen in der Woche gegeben, in der Fastenzeit darüber hinaus Oratorien. Musikliebhaber konnten zwischen konkurrierenden Konzertreihen, italienischer Oper, kunstvoller Musik in Theaterstücken, Maskenspielen und Pantomime wählen.[1]Vgl. Zum blühenden Londoner Konzertleben vor allem: 1) Philip, Robert: London. In:…

  • Adoption und Eheschließungen als Machtfaktor im Prinzipat am Beispiel von Agrippina der Jüngeren und Nero

    Diese Hausarbeit habe ich im Sommersemester 2011 im Seminar „Nero und das Ende der iulisch-claudischen Dynastie“ bei Dr. Andreas Goltz (Geschichte, Uni Mainz) verfasst. Einleitung Agrippina die Jüngere[1]Agrippina die Jüngere wird im Folgenden nur mit ihrem praenomen genannt. Ihre Mutter, Agrippina die Ältere, wird dagegen immer mit dem Ephilet „die Ältere“ genannt. galt lange Zeit bis in das 20. Jahrhundert als skrupellose, machtbesessene Frau, die Morde beging, um sich und ihren Sohn Lucius Domitius Ahenobarbus, den späteren Kaiser Nero[2]Nero wird im Folgenden nur mit diesem Namensbestandteil genannt, wenngleich er bis zu seiner Adoption „Lucius Domitius Ahenobarbus“ hieß und durch die Adoption mit vollem Namen „Nero Claudius … Continue reading, in den…

  • „Ascendit in mare bestia“ – Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX.

    Diese Hausarbeit habe ich im Sommersemester 2011 im Proseminar „Kaiser und Papst“ bei Dr. Regina Schäfer (Geschichte, Uni Mainz) verfasst. Einleitung Kaum eine Persönlichkeit des Mittelalters wurde in so unterschiedlicher Weise charakterisiert wie Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen. Er stelle auf Grund seiner ausgeprägten vielfältigen Interessen für seine Zeitgenossen eine außergewöhnliche Persönlichkeit dar, weshalb die divergierenden Charakterisierungen zustande kamen. War er für seine Bewunderer stupor mundi, betrachteten ihn seine Gegner, im Besonderen die Päpste seiner Herrschaftszeit, als häretischen Herrscher, der ihre Macht behindern wollte. Die Gegnerschaft der Päpste lag zum einen am universellen Herrschaftsanspruch der Staufer, aber im Besonderen in der vom Papst empfundene „Einkreisung“ des Kirchenstaates nach der Vereinigung…

  • Das Meehrche vum Rotkäppche

    Domols imme Land gabs emol a Fraa die hot a Dochter. Des Medsche hat so immer en rot Käppche getrah uff’m Kopp. Deshalb hieß des Medche aach Rotkäppche. Dem Medche sei Oma war ziemlich krank. Do hot die Mutter en Freßkorb gemacht und des Rotkäppche dode mit zur Oma geschickt. Bevor des Medche losgang is, seeht die Mutter „Horsch, geh nit vum Weesch ab. Dass is zu gefährlich.“ Die Oma wohnt neemlich mitte im Wald. Uff’m Weg dohie sieht das Medche scheene Blumme in de Nee vum Weesch un denkt: „Wie schee, die Oma deet sich bestimmt freie ibber so scheene Blumme. Do nemm isch a paar mit.“ Während sie…