Die Reformkleidung der Frauen

Diese Hausarbeit habe ich im Sommersemester 2006 im Proseminar „Lebensreform um 1900“ bei Dr. Christina Niem (Kulturanthropologie, Uni Mainz) verfasst.

Einleitung

Die Epoche der „Lebensreform“ um 1900 war ein relativ kurzlebiges Zeitfenster auf dem Weg zu unserer heutigen modernen Gesellschaft. Sie begann Ende des 19. Jahrhunderts und dauerte bis ca. 1914 als die Auswirkungen des 1. Weltkrieges dem Leben seinen ureigenen Stempel aufdrückten. Der Höhepunkt war ca. von 1900 bis 1905. Die Lebensreformer folgten anthroposophischen Lebensweisen. Unter dem Leitsatz: „Zurück zur Natur“ entstand eine Gegenbewegung zur Verstädterung und der Industrialisierung. Propagierte Lebensweisen waren: eine vollwertige Ernährung, die ökologische Landwirtschaft, der Vegetarismus, natürliche Heilverfahren/Naturheilkunde, Nudismus/ FKK, Sexualreform, Siedlungsprojekte wie die Gartenstädte und der Monte Verità, Bodenreform, Antialkoholismus, Gymnastik und Sport, Impfgegnertum, Körperpflege und die Reformkleidung. Bekannte Reformer waren u.a. Maximilian Bircher-Benner, Wilhelm Bölsche, Otto Buchinger, Karl Buschhüter, Adolf Damaschke, Sebastian Kneipp, Arnold Rikli, Johannes Ude, Bruno Wille, Werner Zimmermann, Hugo Höppener (Fidus).

In diesem Gesamtrahmen kam der Reformkleidung eine beachtliche Bedeutung zu, da sie den Übergang zu unserer heutigen Frauenkleidung darstellte.

Grundsätzlich betrachtet besitzt Kleidung eine Zeichenfunktion. Sie ist ein Mittel mit der sich Menschen nach außen zur Allgemeinheit hin präsentieren. Die Allgemeinheit nimmt einen Menschen als erstes über seine Kleidung, sein Auftreten, wahr und taxiert ihn oft danach. Die Kleidung, die Teil der Sachkulturforschung ist, ist ein kultureller Indikator sozialer Prozesse. Aus ihr lassen sich Schlüsse auf die soziale Stellung ihres Trägers ziehen. Zudem ist sie ebenso Mittel zur Ausgrenzung wie auch zur Abgrenzung innerhalb einer Gesellschaft bzw. innerhalb geschlechtsspezifischer Differenzen. Durch die Kleidung lassen sich weiterhin Schlüsse über die Konformität oder Individualität einer Person ziehen. Helge Gerndt beschreibt in seinem Buch „Kleidung als Indikator kultureller Prozesse“ eben diese Eigenschaft der Kleidung. Die Thematik der Reformkleidung ist in speziellem Maße auch ein Punkt der Körperlichkeit, der Hygiene und Krankheit, dem Umgang mit Unterkleidung und der Vorsorge bei der Menstruation.

Ich untersuche in dieser Hausarbeit inwieweit die Bewegung der Reformkleidung der Frau eine für die Lebensreform typische Reformbewegung war mit den wichtigen lebensreformerischen Aspekte der Verwissenschaftlichung, Hygienisierung und Ästhetisierung. An der Kleidungsreform hatten zwei Gruppen hauptsächlichen Anteil, die sich allerdings nicht in allen Fragen einig waren. Für die erste Gruppe, die Lebensreformer, war die Reform der Kleidung Teil des ganzheitlichen Wandels. Die zweite Gruppe, die Jugendstil-Künstler, wollten eine Änderung der Kleidung, um aus ihr so ein architektonisches Meisterwerk zu machen.

„Status quo“ vor der Kleiderreform-Bewegung

Hosen symbolisierten im Abendland Männlichkeit.[1]Daher trugen früher kleine Jungen immer Kleider, bis sie ab der Pubertät Hosen tragen durften. Frauen dagegen ihr Leben lang nicht. In vielen anderen Kulturen dagegen, z.B. in  China und in Arabien, gehören Hosen bzw. hosenartige Beinkleider schon länger zur Alltagskleidung von Frauen.[2]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 11.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde von den Landesfürsten Kleiderordnungen für die verschiedenen Stände und Gruppen (z.B. Juden oder Prostituierte) erlassen. Nach dem langwierigen Zerfall der Stände orientierte man sich seit der Aufklärung an der Pariser Mode.[3]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 22. Mode bekam den Status eines Luxus-Gegenstandes. Sie war teuer und wollte man mit der Mode gehen, musste diese immer wieder neu gekauft werden.[4]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 126. Wer von unteren Gesellschaftsschichten aufsteigen konnte, weil er zu Vermögen gekommen war oder auch nur diesen Anschein erwecken wollte, dokumentierte dies durch die Mode der höheren, vermögenderen Schichten. Es war eine Mode, die durch Korsetts aus Fischbein und Metallstangen, Tornüre (auch Krinoline genannt)[5]Eine Tornüre oder Krinoline ist ein künstliches Gestell über dem Gesäß, das dem darüber getragenen Rock die modisch aufgebauschte rückwärtige Betonung. und möglichst verschiedene Stoffe mit vielen Applikationen und Accessoires geprägt war. Je üppiger die Kleidung gearbeitet war, umso mehr Luxus und Reichtum zeigte man nach außen.[6]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 123. Nach dem Schönheitsideal jener Zeit wurde die weibliche Brust und das Gesäß sehr betonend herausgestellt und der Bauch möglich flach gedrückt. Als seitliche Silhouette entstand so eine S-Kurve.[7]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 31. Hierzu trug man eine aufgetürmte Lockenfrisur.

Anna Kühn errechnete in ihrem Buch das Gewicht der durchschnittlichen Frauenkleidung. Ein Hemd, ein weißes Beinkleid[8]Der Begriff „Beinkleid“ bezeichnet hier den Unterrock, der Begriff „geschlossenes Beinkleid“ eine Unterhose. Unterröcke gefährdeten die Gesundheit, da sich durch die Wärme Bakterien … Continue reading, ein Korsett, eine Kleidertaille, 2 Unterröcke und ein Kleiderrock ergaben ein Gewicht von 4,3kg. Dabei wogen alleine die drei Röcke 2,7kg und machen somit mehr als die Hälfte des Gesamtgewichtes aus. Allerdings wurden oft mehr als 3 Röcke getragen, im Winter war es meistens die doppelte Menge.[9]Vgl. Kühn, Warum können wir, 1901. S. 170. Da die Röcke aufsaßen, musste das beachtliche Gewicht alleine von den Hüften getragen werden. Ein Umstand, der auch angesichts der Einschnürung der Taille oft zu einer Überbelastung und Deformierung der Organe und zu Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt beitrug.

Die verbesserte Frauenkleidung bei den Frauenbewegungen

Außerhalb Deutschlands

Erste Veränderungen der Frauenkleidung entstanden bei Gruppierungen wie den Frühsozialisten und Quäkern. Diese lehnten hierarchische Strukturen ab, propagierten die Geschlechtergleichheit und waren so eine wichtige ideologische Basis in Sachen einer verbesserten Frauenkleidung im Allgemeinen und der Etablierung einer Frauenhose als Unterkleidung im Besonderen.[10]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 43.

In den USA entwarf die Quäkerin Amelia Bloomer ein Kostüm, das aus einer Jacke, einer langen Unterhose und einem kürzeren Rock darüber bestand und verbreitete es in ihrer Zeitschrift „The Lily“ 1851. Dieses Kostüm hatte sie nach einem Hosenkostüm eines Schweizer Sanatoriums entworfen, das sie bei einer Bekannten sah. Es sollte vor Kälte, Krankheiten und peinlichen Momenten schützen, bequem sein und man sollte sich darin sehr gut bewegen können.[11]Vgl. ebd. S. 50f. Doch die allgemeine Empörung des Establishments über die vermeintliche Vermännlichung der Frau und die Angst der Frauen vor einer gesellschaftlichen Isolation schreckte diese vor dem Tragen dieses Kostüms ab.[12]Vgl. ebd. S. 60. Das Bloomer-Kostüm fand daher keine Akzeptanz. Allerdings berichtete die ausländische Presse hierüber und so verbreitete sich  dieses Thema auch in Europa.

In England kam es um 1880 mit dem „Aesthetic Movement“ zu einer Neugestaltung der Frauen-kleidung, indem man auf mittelalterliche Schnittformen zurückgriff. In Norwegen standen die gesundheitlichen Aspekte im Vordergrund. Angesichts der Schädigung der weiblichen Organe durch das Tragen schwerer Kleidung wollte man die Last auf die Schultern verlagern. Fröken Christine Dahl brachte ihre Entwürfe zum deutschen internationalen Kongress 1896 mit und stellte sie dort vor. Ihre Kleidung hatte sie nach dem amerikanischen Vorbild entworfen und berücksichtigte hygienische Grundsätze.[13]Vgl. Stamm, Reformkleidung, 1976, S. 45. Aber, sowohl in Norwegen wie auch in England kam die neue Art der Kleidung ebenso wenig bei der breiten Bevölkerung an wie die Jahrzehnte vorher in den USA.

Innerhalb Deutschlands

Seit den 1880er Jahren beschäftigte sich die deutsche Presse mit den ausländischen Reformbestrebungen der Frauenkleidung.[14] Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 90. Besonders die Modezeitschrift „Gartenlaube“ kritisierte die vorherrschende Mode und verwies auf die gesundheitliche Gefährdung der Frau. Die Zeitschrift forderte, dass die Kleidung den Gesundheitskriterien der Ärzte (siehe Kapitel 4.1) entsprechen müsse und plädierte für das Tragen eines geschlossenen Beinkleides. Dessen Akzeptanz bedingte aber auch eine Verhaltensänderung der Frauen bei der Verrichtung der Notdurft und im Umgang mit der Menstruation. Die Zeitschrift stellte jedoch die herrschende Mode nicht in Frage.[15]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 27. Die breite deutsche Gesellschaft kritisierte die neuen Bestrebungen. Nur wenige Frauen hatten den Mut, die reformierte Kleidung zu tragen, zu groß war die Angst vor gesellschaftlicher Ächtung. Trotzdem drangen die Gedanken der Reformer mit der Zeit immer tiefer und breiter in die Gesellschaft ein.

Institutionalisierung: Der Verein zur Verbesserung der Frauenkleidung

Ausgelöst durch das Bloomers-Kostüm wurde in Berlin vom 19.-26. 9.1896 mit internationaler Beteiligung der „Internationale Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen“ abgehalten. Einen Monat später gründete sich der „Verein für Verbesserung der Frauenkleidung“ mit dem Motto „gesund – praktisch – schön“. Seine Leitsätze standen alle unter dem gesundheitsgefährdenden Aspekt der für die Änderung der Frauenkleidung sprach.[16]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 46f. Die Leitsätze waren: Vereinfachung der Unterbekleidung, Entlastung der Hüften, freie Gestaltung des Obergewandes mit Anlehnung an die Mode, Verkürzung des … Continue reading Mit der Gründung des Vereins nahmen sich nun auch verstärkt bürgerliche Frauen des Themas Frauenkleidung an. Der Verein forderte zwar eine verbesserte Kleidung, allerdings in Anlehnung an die herrschende Mode. 1) Ein anliegendes Hemd und Beinkleid oder Hemdhose aus durchlässigem, waschbarem Geweben, 2) Ein Leibchen oder Büstenhalter an Stelle des Korsetts und ein geschlossenes Stoffbeinkleid an Stelle der Unterröcke. 3) Ein fußfreies Straßen- und Arbeitskleid.[17]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 95. Da sich die Korrekturen auf die Untergewänder bezogen, war der Unterschied zur herrschenden Mode nach außen kaum sichtbar, wenn man von der Forderung des fußfreien Arbeitskleides absieht. Das neuartige Mieder ersetzte das Korsett und hatte den gesundheitlichen Vorteil, dass das Schnüren entfiel und somit das schwere Gewicht der gesamten Kleidung von den Schultern und deren kräftigen Knochen gehalten wurde und nicht mehr von der fragilen Taille.[18]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 27. Vom 11.-24. April 1897 fand die erste Ausstellung des „Vereins für Verbesserung der Frauenkleidung“ in Berlin statt, an der sich 35 Firmen aus Industrie und Handwerk beteiligten und die 8.500 Besucher zählte.[19]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 48. Auf den folgenden Seiten geht Brigitte Stamm die Thematik tiergehender ein. Durch intensive Aufklärungsarbeit und Vortragsveranstaltungen von Frauenbewegungen und Ärzten wollten die Reformer ihre sozialreformerischen Ideen verbreiten. Durch Auskunftssitzungen, Vorträge, Ausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen und Drucksachen (Bilderbögen, Flug- und Merkblätter und Vereinszeitschriften) machte man das Thema in der Öffentlichkeit präsent.[20]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, 51f. Der Verein hatte allerdings kaum Mitglieder aus der breiten Gesellschaft und war somit keine Organisation der breiten Masse.[21]Vgl. ebd. S. 87.

Die „lebensreformerischen Aspekte“ bei der Reformkleidung

Hygienisierung und Verwissenschaftlichung

Die gesundheitliche Gefährdung durch das Tragen des Korsetts und der Schleppe wurde von Ärzten schon seit Jahrzehnten angemahnt. Das Interesse, die Frauenkleidung zu verbessern war bei den Medizinern hauptsächlich von dem Wunsch nach gesundem Nachwuchs geprägt. So war das Interesse an einer gesünderen Kleidung erst einmal ein Mittel zum Zweck, für die Frauen aber letztendlich ein wichtiger Nebeneffekt.[22]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 38f.

Um 1900 waren Korsett und Schleppe am Straßenkleid Hauptkritikpunkte der Mediziner.

Dem Korsett schrieb der Arzt Neustätter viele Krankheiten zu.[23]Vgl. Stamm, Reformkleid in Deutschland, 1976, S. 38f. Mädchen wurden schon früh geschnürt, weil man so am effektivsten die Taille in die gewünschte Form schüren konnte. Die Straßenschleppe entstand durch einen eng an den Oberschenkeln anliegender Rock, der immer auf dem Boden schleifte und so Dreck und Exkremente vom Boden von der Straße in die Wohnung trug.[24]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 118f. Zwar versuchten die Frauen, die Schleppe hochzuhalten, brauchten dafür aber unbedingt beide Hände, was bei Einkäufen oder Regen nicht möglich war. Auf diese Weise wurde besonders die Tuberkulosegefahr thematisiert.[25]Vgl. ebd. S. 101f. 1908 verschwand die Schleppe dann aus der Mode.[26]Vgl. ebd. S. 121.

Das Bild des „schwachen“ und immer krankenden Geschlechtes wurde durch die herrschende Mode verstärkt. Einerseits war die Frau durch die beschränkte Bewegungsfreiheit sehr auf die Hilfe ihre männlichen Mitmenschen angewiesen und erkrankte andererseits durch die Folgen des Schnürens und die unhygienischen Folgen der Schleppe und der offenen Beinkleidung.

Neben den Ärzten beschäftigten sich auch Soziologen mit der Mode. In dieser Arbeit seien als Beispiel Georg Simmel und sein Werk „Philosophie der Mode“ (1895) und Werner Sombart mit „Mode und Wirthschaft“ (1902) genannt. Beide Autoren betrachteten aus verschiedenen Perspektiven die Mode als gesellschaftliches Phänomen. Sombart aus nationalökonomischer, Simmel aus sozialpsychologischer Sicht.

Mode war für Simmel eine Möglichkeit zur Anerkennung für labile, unselbstständige Menschen. Sie lädt zum Nachahmen ein und zur äußerlichen Abgrenzung. Sombart kam nach Gesprächen mit Großindustriellen zum Schluss, dass Kleidung nicht von ihren Trägern bestimmt wird, sondern von den Herstellern. Diesen sei allerdings nur der Profit wichtig. Die Mode trägt nach seiner Meinung zur Vereinheitlichung und nicht zur Individualisierung bei. Er formulierte in seinem Werk aber keine Verbesserungsvorschläge.[27]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 92-95f. Einig waren sich beide in der Meinung, dass die herrschende Mode eine Begleiterscheinung der Industrialisierung und Urbanisierung des 19. Jahrhunderts sei. Die Nervosität dieser Epoche könne man auch in der ständig wechselnden Mode erkennen.[28]Vgl. Ebd., S. 90.

Ganz besonders nahmen sich aber die Lebensreformer der Verbesserung der Frauenkleidung an. Sie forderten eine natürlichere Kleidung, die den Körper nicht beeinträchtigt, sondern in dem man sich völlig frei bewegen konnte.[29]Vgl. Krabbe, Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform, 1974. S. 9. Der Nudist Hugo Höppener, genannt Fidus, entwarf mit seinem Lehrer Karl Wilhelm Diefenbach für seine Kinder und Frauen … Continue reading Die herrschende Mode war ein Spiegel der industrialisierten Gesellschaft, die sich immer weiter von der Natur und der Natürlichkeit entfernte und sich selber krank machte.[30]Vgl. Linse, Das „natürliche“ Leben, 1998. S. 444.

Ein Lebensreformer war auch der Arzt und Zoologe Gustav Jäger. Er gehörte zu den wichtigsten frühen Vertretern der Kleiderreform. Er propagierte in seinem Werk „Die Normalkleidung als Gesundheitsschutz. Gesammelte Aufsätze aus dem „Neuen Deutschen Familienblatt“ (1872-1880)“ von  1881 seine Jägersche Normalkleidung aus Wolle, die sehr schnell Zuspruch fand.[31]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 23f. Er entwickelte zu den Körperausdünstungen eine Seelentheorie, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann.[32]Vgl. Krabbe, Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform, 1974, S. 108f. Ebenso: Stamm Reformkleid in Deutschland, 1976, S. 16f.

Heinrich Lahmann[33]Lahmann hatte Medizin studiert und unterhielt das Sanatorium „Weißer Hirsch“ bei Dresden., ein Kritiker Jägers, kritisierte die Wollkleidung als gesundheitsschädlich, da sie eine permanente Hautreizung bewirke. An ihrer Stelle wollte Lahmann die Baumwolle verwendet wissen, da sie luftdurchlässig sei, den Schweiß aufsauge und die Haut weder verkühle noch reize und erhitze.[34]Vgl. Krabbe, Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform, 1974, S. 109. Dieser Meinung war auch der Pfarrer Sebastian Kneipp. Für ihn war es wichtig, dass Menschen nicht nur angemessene Kleidung trugen, sondern für eine Abhärtung des Körpers sorgten, um seltener krank zu werden. Auch propagierte er ein richtiges Maß an Kleidung, da zu viel Kleidung auch krank machen könne.[35]Vgl. Kneipp, So sollt ihr leben, S. 35f. Er hatte die Erfahrung gesammelt, dass Rheumakranke in Wolle gekleidet oftmals Krämpfe von Kopf bis Fuß hatten, über kalte Füße klagten und dass ihnen das Blut in den Kopf schoss. Bei Kleidung aus Leinen aber machte er diese Beobachtung sehr selten.[36]Vgl. ebd. S. 42. So konstatierte er, dass man in Wolle mehr schwitzte, da die Wolle keine Körperwärme ableite und der eigene Schweiß kühle und man friere. Für den Sommer empfahl er daher eine lockere Tuchhose aus Baumwolle als Unterkleidung, für den Winter eine Leinenunterhose.[37]Vgl. Kneipp, So sollt ihr leben, 1890, S. 44f. Als Oberbekleidung sollte man nichts zum Schnüren oder Binden tragen, sondern nur Kleidung die Schultern getragen wird und bei der Arbeit kein Hindernis ist.[38]Vgl. ebd. S. 51. Alle Lebensreformer waren sich einig, dass Kleidung luftdurchlässig sein müsse, um „allen durch die Haut entweichenden ausscheidungsbedürftigen Stoffen freien Durchgang“ zu gewähren. Neben nicht einengender Kleidung und geschlossener Unterwäsche sowie einem guten Material erkannte man auch die Wichtigkeit der Bewegung. Sport wurde im 19. Jh. zunächst nur von Männern ausgeübt. Bei Frauen befürchtete man eine Gefährdung der Fortpflanzungsorgane. Da aber seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert bekannt war, dass Bewegung die Gesundheit stärkt und viele Krankheitssymptome verschwinden lässt, empfahl man nun Frauen Spazierengehen oder maßvolles Tanzen, um so das „schwache Geschlecht“ nicht zu überfordern. Um 1900 fand dann aber auch für Frauen der Sport eine gesellschaftliche Akzeptanz. Hierfür  brauchte man jedoch lockere Kleidung, um sich frei bewegen zu können. Sport, Turnen und Gymnastik waren neue gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Möglichkeiten, die es Frauen erlaubte, Kleiderexperimente zu wagen die später in die Alltagskleidung einflossen.[39]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 104. 1900 wurden erstmals Frauen bei den Olympischen Spielen zugelassen.[40]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 31. In der Kunst bracht der Ausdruckstanz eine neue Repräsentation des weiblichen Körpers auf die Bühnen.[41]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 151f.

Ästhetisierung

Die Jugendstil-Künstler waren in allen Bereichen der Lebensreform anzutreffen, besonders in der Gartenstadtbewegung. Aber auch bei der Reformkleidung, die sie nach architektonischen Idealen neu entwarfen. Diese Ideen hatten in der englischen Arts-And-Crafts-Bewegung ihren Ursprung. Sie propagierten einen schlanken Frauenkörper, der von der Kleidung umflossen und nicht geformt wurde.[42]Vgl. ebd. S. 26.

Für die Kleiderreform wichtige Jugendstil-Künstler waren Alfred Mohrbutter, Richard Riemerschmid, Peter Behrens, Gustav Klimt und besonders der Wortführer Henry van de Velde (1863-1957), ein belgischer Architekt, Designer und einer der wichtigsten Jugendstil-Künstler. Unter dem Einfluss der englischen Arts and Crafts-Bewegung begann van de Velde, Möbel und Inneneinrichtungen zu entwerfen. Er zog nach Deutschland, wurde Leiter der Kunstgewerbeschule Weimar und im selben Jahr Gründungsmitglied des Deutschen Werkbundes. Nach dem 2. Weltkrieg zog er in die Schweiz.[43]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 98f.

Er wollte, dass neue Formen Kunst und Leben durchdringen sollten. Deswegen entwickelte er eine neue Ästhetik der Frauenkleidung, die in den Stil der Moderne integriert werden sollte.[44]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 90.

Van de Velde übte in 8 Punkten Kritik an der herrschenden Mode.[45]Vgl. Stamm Reformkleid, 1976. S. 53f. Er kritisierte besonders den Historismus mit seiner Stoffvielfalt, unsichtbare Nähte und Imitationen von Seide, Spitze, Samt und Wolle. Die Materialgerechtigkeit der Jugendstil-Künstler benutzte für einen bestimmten Zweck einen bestimmten Stoff.[46]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 113f. Kleidung, die nicht den natürlichen Anforderungen entspreche, sei moralisch verwerflich und ein Kleidungsstück verliert seine Funktion, wenn eine unlogische Konstruktion Gliedmaßen und Gelenke nicht erkennen lässt und so die Schönheit der weiblichen Gestalt verloren geht.[47]Vgl. ebd. S. 116-118. Das zentrale Anliegen den Jugendstils sei es, alle Bereiche des Lebens künstlerisch neu zu durchdringen, durch Vernunft, Logik, Schönheit und Moral adäquate Gestaltungsprinzipien zu finden.[48]Vgl. ebd. S. 121.

Auf mehreren Ausstellungen um 1900 in deutschen Städten hatten auch Lebensreformer die Möglichkeit dort ihre selbstentworfenen Kleider zu präsentieren. Die dort ausgestellten Kleider zeigten deutlich, dass jeder Künstler unterschiedliche Zielsetzungen verfolgte. So war es für den einen die Dekoration, für einen anderen die malerische Auffassung und für den Dritten das architektonische Prinzip am wichtigsten. Ab 1903 konnte man im Berliner Warenhaus Wertheim solche Künstlerkleider sogar kaufen. Dadurch wurde die Reformidee deutlich popularisiert.

Die Jugendstil-Künstler gehörten zum „Deutschen Werkbund“. Er wurde 1907 in München gegründet und beschäftigte sich mit Einsetzen des 1. Weltkrieges u.a. auch intensiv mit der Gestaltung der Frauenkleidung.[49]Vgl. ebd. S. 138. Daran war Anna Muthesius, die Frau des Initiators des Deutschen Werkbundes, in besonderem Maße beteiligt. Sie forderte, Frauen sollten nicht alle gleich aussehen, sondern unterschiedliche Kleidung, passend zu ihrem Charakter und ihrer Ästhetik tragen und so ihre Individualität ausdrücken. Sie sollten lernen, einen eigenen Geschmack zu entwickeln[50]Vgl. ebd. S. 144f.. Gleiches forderte auch der Künstler Alfred Mohrbutter. Ihm gefiel das Reformkleid der Lebensreformer aus ästhetischen Gründen nicht, er schätzte aber dessen Funktion.[51]Vgl. Mohrbutter, Das Kleid der Frau. Darmstadt, 1904, S. 9f.

Viele Jugendstilkünstler wie van de Velde und Mohrbutter verhielten sich in der „Korsettfrage“ zurückhaltend. Aber der Architekt und Publizist Paul Schultze-Naumburg forderte in seinem Buch „Die Kultur des weiblichen Körpers als Grundlage der Frauenkleidung“ die Abschaffung des Korsetts aus hygienischen und ästhetischen Argumenten. Er berücksichtigte alle ästhetischen Gestaltungsprinzipien bei seinen Überlegungen, wie man Kleidung ohne Korsett am Körper befestigen könne. Er unterstützte die Aufhängung der Kleidung an den Schultern. Dort verbiege sie nichts und hindere auch nicht am Atmen.[52]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 140f. Schultze-Naumburg ermahnte die Frauen auch, sofort nach dem Ablegen des Korsetts mit Gymnastik und sonstiger Bewegung zu beginnen.[53]Vgl. ebd. S. 172f.

Auch für Carl Stratz waren Gesundheit und Schönheit unmittelbar verbunden. Stratz ließ Frauen vermessen und suchte dafür Frauen unterschiedlicher Figur, um so besser den Mittelwert zwischen unterster und oberster Grenze zu finden und errechnete damit für verschiedene Körperteile. Diese Werte wurden für unsere heutigen Konfektionsgrößen wichtig.[54]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 165f.

Die Betonung der Natürlichkeit des Körpers, die Befürwortung des antiken, griechischen Typus in der Aktdarstellung spielte für ihn eine große Rolle. Das Ideal des nackten, unverkümmerten menschlichen Körpers bildete die Grundlage für die neu zu entwerfende Kleidung und führte nicht nur bei Stratz, sondern bei allen Jugendstil-Künstlern zu einer Wiederaufnahme der Renaissance- bzw. des antiken Kleidungsstils.[55]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 125. Die Anknüpfung an die Antike oder die Beschäftigung mit anderen, meist außereuropäischen Völkern, legitimierte den Blick auf den nackten Frauenkörper nach Schultze-Naumburg. Er stellte zudem die These auf: Je höher die vermeintliche Entwicklung der Rasse, desto ausgeprägter die sekundären Geschlechtsmerkmale. Am ausgeprägtesten wäre die „weiße Rasse“.

Stratz erläutert in seinem Buch „Die Frauenkleidung und ihre natürliche Entwicklung“ drei Formen von Nacktheit: Die „natürliche Nacktheit“ zeigt sich bei „niederen Rassen“, die keine Schamhaftigkeit bei Nacktheit zeigten, sondern sich in natürlichen Stellungen fotografieren lassen. Europäerinnen zeigen dagegen die „sinnliche Nacktheit“ mit Niederschlagen der Augenlider als Äußerung des Schamgefühls und unwillkürliche Bedeckung der Brüste und des Intimbereiches. Die dritte Form der Nacktheit sei die „künstlerische Nacktheit“. Diese Form ist weit von den anderen entfernt und Folge der Rückwendung zu der Natur und der Natürlichkeit, wie Gott den Menschen geschaffen hat.[56]Vgl. Stratz, Frauenkleidung und ihre natürliche Entwicklung, 31904, S. 22.

Der breite Durchbruch

Noch 1894 war es üblich, dass die Frau den Haushalt führte, aber nicht außerhalb des Grund-stückes arbeitete. 1900 war es der Normalfall, dass die Frau den Haushalt erledigte, aber auch außerhalb des Grundstückes arbeitete. Die öffentliche Meinung, dass sich eine Frau um Haushalt und Nachwuchs kümmern und nicht außerhäuslicher Arbeit nachgehen soll, war im Alltag nicht mehr umsetzbar.[57]Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 33. Viele Arbeiterfamilien waren so arm, dass nicht nur die Frauen, sondern sogar Kinder mithelfen mussten; sowohl im Haushalt als auch in außerhäuslichen Arbeiten.[58]Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 152.

Wenige Jahre später veränderte sich die Pariser Mode. Der Pariser Modemacher Paul Poiret stellte 1911 eine neue, vereinfachte Mode vor mit überschlanken Hüften und dem Hosenrock – die Resonanz war aber hauptsächlich negativ.[59]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 223. Diese neue, vereinfachte Mode hemmte das Bekanntwerden der Reformkleidung.[60]Vgl. Stamm, Reformkleid in Deutschland. Berlin, 1976. S. 140.

Im ersten Weltkrieg sah man, dass Frauen durchaus in der Lage waren, so genannte Männerberufe auszuüben. Für die Männerarbeit sollten die Frauen während ihrer Arbeitszeit vorerst die männliche Arbeitskleidung tragen.[61]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 212. Das waren lange Hosen und Kittelblusen oder Arbeitsjacken.[62]Vgl. ebd. S. 197f. Durch das nun selbstverständliche Tragen von Hosen bei Frauen – wenn auch nur zwangsläufig bei der Arbeit – verwischte die Grenzen zwischen den Geschlechtern allmählich. So ging die Frau gestärkt und mit neuem Selbstbewusstsein aus dem Krieg heraus. Sie war in ehemalige Männerdomänen unwiderruflich eingedrungen[63]und hatten auch gelernt bzw. lernen müssen, ohne den Mann auszukommen, für ihre Kinder zu sorgen und durch die eigene Arbeit den Lebensunterhalt zu sichern. So schienen eigentlich Jahrzehnte … Continue reading

Während der 1930er Jahre erlebte die Frau durch die NS-Ideologie einen „Rückschlag“, sollte sie doch wieder nur als Mutter und Ehefrau im Haushalt arbeiteten. Doch der zweite Weltkrieg brachte eine tiefe Zäsur und es waren die Frauen, die an Stelle der Männer, die als Soldaten eingezogen waren, auch schwere Männerarbeit in den Fabriken leisten mußten.[64]Vgl. ebd. S. 248-250.

Nach dem Krieg wurde die Frau weiterhin als Arbeiterin gebraucht, man denke nur an die legendären Trümmerfrauen. Mit dem Wiederaufbau der Industrie, die Arbeitskräfte brauchte, und der Wandlung der Gesellschaft wurden immer mehr Frauen berufstätig. Die Mode der Nachkriegsjahre war weiblich, aber man schätzte immer mehr das praktische an Hosen, besonders im Winter. Bei kleinen und größeren Kindern schätze man im Alltag besonders den Vorteil von Latzhosen, boten sie durch die Regulierungsmöglichkeiten eine mehrjährige Verwendung in der Wachstumszeit der Kinder. Später kamen die Halbhosen als Trainingshosen oder Skihosen, auch Lastexhosen genannt, hinzu. Die Kinder schätzten auch als Jugendliche und später als Erwachsene den Vorteil der Hosen, die immer modischer wurden. Besonders junge Menschen trugen gern und oft die neuen Frauenhosen, damals allerdings noch mit züchtigerem, seitlichem Reißverschluss und freuten sich, den „American Look“ tragen zu können. Mit der weitergehenden Liberalisierung der Gesellschaft und der gesellschaftlichen Etablierung der Jeans glich sich auch der Hosenschnitt immer mehr jenen der Männer an, ja, Frau trug sogar eigentlich für Männer geschneiderte Jeans. Und diesmal blieb der laute Protest aus.[65]Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 262f. Es ging nicht mehr um das Ob des Hosentragens, sondern um das Wie. Die Hose wurde nicht nur ein Modefaktor, sie wurde immer mehr Zeichen des Protestes von überwiegend  jungen Menschen, die sich gegen die Gesellschaft auflehnten. Zur Zeit der Studentenrevolten konnte man auch „Bloomers“ kaufen, die stark an die Pluderhosen des Bloomer-Kostüms erinnern.

Seitdem ist es völlig normal, dass Frauen zu allen Gelegenheiten  Hosen tragen.[66]Vgl. ebd. S. 268-270.

Schlusswort

Durch Ärzte und Wirtschaftler erfolgte eine Diskussion auf wissenschaftlicher Ebene, die Lebensreformer traten mit den Ärzten für eine Hygienisierung und damit verbesserte Lebensqualität ein und die Künstler des Jugendstils entwarfen Kleidung nach ihren ästhetischen Ideen.

Die Reformkleidung wurde in Deutschland von ca. 1898 bis 1910 getragen. Die Kleidung der Jugendstil-Künstler betrifft sogar nur den Zeitraum 1900 bis 1904. In dieser Zeit schaffte es die Reformkleidung nicht, sich gegen die herrschende Mode durchzusetzen. Erst durch die veränderten gesellschaftlichen Strukturen nach dem 1. Weltkrieg hielten ihre Ideale Einzug in die breite Gesellschaft. Hier ist eine Gemeinsamkeit mit anderen lebensreformerischen Themen zu erkennen. Ebenfalls, dass es für die breite Masse gedacht war, doch letztendlich auch durch den persönlichen Aufwand der Herstellung um 1900 nur für bürgerliche Frauen finanzierbar war, besonders die Kleidung der Künstler. Auch brauchten nicht-bürgerliche Schichten keine Unterscheidung zwischen Hauskleid und Abendkleid. Diese Unterteilung entspricht dem Prestige- und Repräsentationsbedürfnis gehobenerer Schichten.

Somit war die Reformbewegung der Frauenkleidung eine für die Lebensreform typische Ausprägung, da sie alle ihre Aspekte aufweist und Themen wie Natürlichkeit und entsexualisierte Nacktheit anspricht. Allerdings wurde sie erst nach dem 2. Weltkrieg durch die Massenproduktion für alle erschwinglich.

Die Gesellschaft wurde von Grund auf erneuert und die Frauen gingen mit einem stärkeren Selbstbewusstsein aus den Kriegsphasen hervor. Langfristig gesehen verfehlte sie aber ihre Wirkung nicht, sondern ebnete den Weg zu unserer heutigen individuellen Mode.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

  • Boehn, Max von: Die Mode. Menschen und Moden im 19. Jahrhundert 1878-1914. München 1919.
  • Jäger, Gustav: Die Normalkleidung als Gesundheitsschutz. Gesammelte Aufsätze aus dem „Neuen Deutschen Familienblatt“ (1872-1880). Stuttgart 1881.
  • Kneipp, Sebastian: So sollt ihr leben. Kempten 71890.
  • Kühn, Anna: Warum können wir die herrschende Kleidung nicht als gesund, praktisch und schön bezeichnen? o.O. 1901.
  • Mohrbutter, Alfred: Das Kleid der Frau. Darmstadt 1904.
  • Sombart, Werner: Wirthschaft und Mode. Ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung. Wiesbaden 1912.
  • Stratz, Carl Heinrich: Die Schönheit des weiblichen Körpers. Den Müttern, Ärzten und Künstlern gewidmet. Stuttgart 31904.

Literaturverzeichnis

  • Fischer-Homberger, Esther: „Krankheit Frau“. In: Imhof, Arthur E. (Hg.): Leib und Leben in der Geschichte der Neuzeit. Berlin 1983. S. 215-229.
  • Gerndt, Helge: Kleidung als Indikator kultureller Prozesse. Eine Problemskizze. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 70 (1974). S. 81–92.
  • Krabbe, Wolfgang R.: Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform. Göttingen 1974.
  • Linse, Ulrich: Das „natürliche“ Leben: Die Lebensreform. In: Richard van Cülmen (HG.): Die Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500-2000. Wien/Köln/Weimar 1998. S. 435-456.
  • Ober, Patrizia: Der Frauen neue Kleider. Das Reformkleid und die Konstruktion des modernen Frauenkörpers. Kempten 2005.
  • Stamm, Brigitte: Das Reformkleid in Deutschland. Berlin 1976.
  • Welsch, Sabine: Ausstieg aus dem Korsett: Reformkleidung um 1900. In: Kai Buchholz (Hg.): Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900. Band 2. Darmstadt 2001.
  • Wolter, Gundula: Hosen, weiblich. Kulturgeschichte der Frauenhose. Marburg 1994.

 

Fußnoten

Fußnoten
1 Daher trugen früher kleine Jungen immer Kleider, bis sie ab der Pubertät Hosen tragen durften. Frauen dagegen ihr Leben lang nicht.
2 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 11.
3 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 22.
4 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 126.
5 Eine Tornüre oder Krinoline ist ein künstliches Gestell über dem Gesäß, das dem darüber getragenen Rock die modisch aufgebauschte rückwärtige Betonung.
6 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 123.
7 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 31.
8 Der Begriff „Beinkleid“ bezeichnet hier den Unterrock, der Begriff „geschlossenes Beinkleid“ eine Unterhose. Unterröcke gefährdeten die Gesundheit, da sich durch die Wärme Bakterien leicht bilden und vermehren konnten und außerdem wegen der Körperwärme und Feuchtigkeit gerne kleinen Insekten und Spinnen dort ansiedelten.
9 Vgl. Kühn, Warum können wir, 1901. S. 170.
10 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 43.
11 Vgl. ebd. S. 50f.
12 Vgl. ebd. S. 60.
13 Vgl. Stamm, Reformkleidung, 1976, S. 45.
14 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 90.
15, 18 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 27.
16 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 46f. Die Leitsätze waren: Vereinfachung der Unterbekleidung, Entlastung der Hüften, freie Gestaltung des Obergewandes mit Anlehnung an die Mode, Verkürzung des Straßenkleides. Stamm, Reformkleid in Deutschland, 1976, S. 47.
17 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 95.
19 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 48. Auf den folgenden Seiten geht Brigitte Stamm die Thematik tiergehender ein.
20 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, 51f.
21 Vgl. ebd. S. 87.
22 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 38f.
23 Vgl. Stamm, Reformkleid in Deutschland, 1976, S. 38f.
24 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 118f.
25 Vgl. ebd. S. 101f.
26, 48 Vgl. ebd. S. 121.
27 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 92-95f.
28 Vgl. Ebd., S. 90.
29 Vgl. Krabbe, Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform, 1974. S. 9. Der Nudist Hugo Höppener, genannt Fidus, entwarf mit seinem Lehrer Karl Wilhelm Diefenbach für seine Kinder und Frauen lose fallende Kittel und Kleider, die weder einengten noch einschnürten. Fidus und Diefenbach bevorzugten die Nacktheit, entschieden sich aber nach dem ersten Nudistenprozess für sackähnliche Reformgewänder, bei denen das Gespür für Nacktheit im bekleideten Zustand nicht verloren ging.
30 Vgl. Linse, Das „natürliche“ Leben, 1998. S. 444.
31 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 23f.
32 Vgl. Krabbe, Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform, 1974, S. 108f. Ebenso: Stamm Reformkleid in Deutschland, 1976, S. 16f.
33 Lahmann hatte Medizin studiert und unterhielt das Sanatorium „Weißer Hirsch“ bei Dresden.
34 Vgl. Krabbe, Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform, 1974, S. 109.
35 Vgl. Kneipp, So sollt ihr leben, S. 35f.
36 Vgl. ebd. S. 42.
37 Vgl. Kneipp, So sollt ihr leben, 1890, S. 44f.
38 Vgl. ebd. S. 51.
39 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 104.
40 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 31.
41 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 151f.
42 Vgl. ebd. S. 26.
43 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 98f.
44 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 90.
45 Vgl. Stamm Reformkleid, 1976. S. 53f.
46 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976, S. 113f.
47 Vgl. ebd. S. 116-118.
49 Vgl. ebd. S. 138.
50 Vgl. ebd. S. 144f.
51 Vgl. Mohrbutter, Das Kleid der Frau. Darmstadt, 1904, S. 9f.
52 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 140f.
53 Vgl. ebd. S. 172f.
54 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 165f.
55 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 125.
56 Vgl. Stratz, Frauenkleidung und ihre natürliche Entwicklung, 31904, S. 22.
57 Vgl. Stamm, Reformkleid, 1976. S. 33.
58 Vgl. Ober, Der Frauen neue Kleider, 2005, S. 152.
59 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 223.
60 Vgl. Stamm, Reformkleid in Deutschland. Berlin, 1976. S. 140.
61 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 212.
62 Vgl. ebd. S. 197f.
63 und hatten auch gelernt bzw. lernen müssen, ohne den Mann auszukommen, für ihre Kinder zu sorgen und durch die eigene Arbeit den Lebensunterhalt zu sichern. So schienen eigentlich Jahrzehnte zwischen den zwanziger Jahren und der Vorkriegszeit zu liegen.[fn]Vgl. ebd. S. 238.
64 Vgl. ebd. S. 248-250.
65 Vgl. Wolter, Hosen, weiblich, 1994, S. 262f.
66 Vgl. ebd. S. 268-270.