Oktober 2020

Der Oktober 2020 ist vorbei. Zeit, um den Monat Revue passieren zu lassen.

Mein Output

Sarah Schäfer hat mit Eigenstimmig ein wunderbares Projekt auf die Beine gestellt: Sie porträtiert Frauen, die eigen-stimmig sind.

„In unseren Interviews stellen wir ganz unterschiedliche Frauen* vor, die alle eins gemeinsam haben: sie gehen ihren ganz eigenen Weg, entlang ihrer Leidenschaft(en), für das, was ihnen wichtig ist und manchmal auch entgegen aller Widerstände von außen.

Sie erzählen ihre ganz persönlichen Geschichten, mit allen Hindernissen und Erfolgen. Ziel ist es, großartige Frauen* vorzustellen, die Vorbild sind und anderen Frauen* Ratschläge, vor allem aber Inspiration und Mut geben können, ihren eigenen Weg zu gehen.“

Letzten Monat erschien ihr Interview mit mir: Petra Tabarelli – Musikalische Fußballermittlerin (beste Zusammenfassung in wenigen Worten 💖)! Ein Porträt über mich, meine Jobs, meine Leidenschaften und wie ich entspannen kann.

Am 6. Oktober war ich Referentin beim Digitalen Workshop für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und gab Tutor*innen aus Rheinland-Pfalz Impulse für Themenideen. Das Thema: Bewegte Zeiten (Sportgeschichte).

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Kurz danach wurde ich in die Jury des Geschichtswettbewerbs für das Land Rheinland-Pfalz berufen.

Außerdem war ich im Podcast Geschichte Europas zu Gast und habe versucht, möglichst knapp über die Entwicklung des Fußballs zu sprechen. Die Episode ist noch nicht online, der Link wird also im nächsten Rückblick genannt.

Auf Nachspielzeiten erschienen zwei Beiträge:

Außerdem habe ich meine Übersicht über Schiedsrichterinnen in den oberen Ligen des Männerfußballs erweitert (hier geht’s zur Übersicht):

  • Am 8.10. leitete Kateryna Monzul ein Spiel der U21-Quali (m) (Litauen-Griechenland). Die 1981 geborene Ukrainerin schiedst seit 2016 in der höchsten Liga der Ukraine, der Premjer Liha. Sie ist studierte Architektin und Stadtplanerin. Sie ist dann nach Nicole Petignat, Bibiana Steinhaus und – als einzige noch auf oberster Ebene aktiv – Stéphanie Frappart die vierte Schiedsrichterin, die auf UEFA-Ebene ein Spiel von Männerteams leitet. Dazu kommt noch Nelly Viennot als Schiedsrichterassistentin.
  • Am 16.10. gab die schwedische Schiedsrichterin Tess Olofsson ihr Debüt als Schiedsrichterin in der 2. schwedischen Männerfußballiga (Superrettan). Bereits 2019 wurde sie hier als 4. Offizielle eingesetzt.
  • Am 29.10. stand Guadalupe Porras beim EL-Spiel des Linzer ASK gegen Ludogorez Rasgrad an der Seitenlinie. Sie ist damit Spaniens erste weibliche Spieloffizielle bei einem internationalen Spiel im Männerfußball. Mit 16 Jahren legte die 1987 geborene Spanierin erfolgreich ihre Schiedsrichterinnenprüfung ab. Bereits 2019 schrieb sie Geschichte, nämlich als erste weibliche Spieloffizielle in der Primera División.

Legende Verloren erinnerte an ihre erste Episode mit mir. In dieser erwähne ich, dass es um 1970 zwei Frauen-WMs gab, die offiziell nicht anerkannt wurden, aber die zahlreichen Verbotsaufhebungen beschleunigte. Oder gar der Grund war. Der bekannt Wermuthersteller Martini & Rossi war’s, der zusammen mit der FIEFF (Federazione Internazionale Europeo di Football Feminile) in Italien einen Wettbewerb mit acht europäische Auswahlteams durchführte. Martini & Rossi zahlte die Ausrüstung, die Reisekosten und die Unterkunft der Spielerinnen. Am 1. November 1969 begann der Wettbewerb. Die Herren der Fußballverbände bekamen sich selbstredend nicht mehr ein, verstanden aber, dass der Staudamm am Brechen war und sie ihn öffnen mussten, damit ihnen nicht auch noch die restliche Kontrolle abhanden kommt.

Länder wie West-Deutschland erlaubten bereits 1970 den Frauenfußball in ihrem Verband, andere Länder erst nach einer erneuten WM, abermals von Martini & Rossi und der FIEFF ausgerichtet. Sie begann am 5. September 1971. Anschließend erkannte auch die UEFA Fußball spielende Frauen innerhalb ihres Verbandes an.

Der Spiegel berichtete im Oktober 1970 über die Aufhebung des Verbots seitens des DFB und zitiert den damaligen UEFA-Generalsekretär Hans Bangerter: „Es wäre nicht entschuldbar, […] wenn der Frauenfußball Managern in die Hände getrieben und zum Zirkus ausarten würde.“  Der altherrenhumorige pseudoanzügliche Titel des Artikels lässt nicht wirklich darauf schließen, dass der DFB gerade den Frauenfußball in seinen Reihen erlaubte und nicht mehr wie vor 1955 nur duldete (= ihn nicht förderte). Es gab halt auch schon 1970 Clickbaiting. Und damit‘s kein Clickbaiting bleibt: Der Titel meint die Schutzhand vor der Brust, die bei Frauen natürlich ebenso verboten seit jeher verboten ist wie bei Männern. Egal vor welcher Körperstelle.

Was lief gut?

Das Imposter-Syndrom ist mir wohlbekannt. Gerne drückt es einen auf den Boden, damit man nicht so schnell wieder aufstehst. Aber: Es agiert nur aus seiner puren Kraft und Macht. Und man kann diese Kraft und Macht gegen es selbst einsetzen, wenn ich nur die richtigen Hebel in Bewegung setze.
Dazu von David Perrell

Das Manuskript zu Simon Rosenberger ist ja eigentlich schon fertig, aber ich hatte über Monate hinweg Hoffnung, Kontakt zu direkten Nachkommen von ihm zu finden. Im Oktober war es soweit.

Was lief nicht gut?

Die Psyche. Der Anstieg der Neuerkrankungen mit Covid-19 machte mir sehr, sehr zu schaffen. Gefühlt war ich nicht sehr produktiv, doch tatsächlich hat mich der Corona-Stress meine Erholungspausen gekostet, nicht meine Arbeitszeit. Kieferschmerzen vom Auf-die-Zähne-beißen, Ohrenschmerzen, Schulterschmerzen.
Deshalb bin ich für mich sehr froh über die zeitweisen Beschränkungen und die Möglichkeit, im Homeoffice zu machen. Schlagartig waren alle psychischen und physischen Beschwerden weg. (Wenngleich ich weiß, wie viele durch die Beschränkungen nun ernste Probleme bekommen.)

Außerdem wurde mir klar, dass mir aktuell die Geduld fehlt und ich viel zu schnell Sachen umwerfe, wenn sie nicht direkt funktionieren.

Lessons learnt

Direkt aus den vorher genannten Punkten: Ich hoffe, der November, das Arbeiten im Homeoffice und die beiden Wochen Büro-Urlaub bringen mir mehr Ruhe, Geduld und Vertrauen.

Außerdem muss ich (wieder) lernen, mir Positives zu merken. Wie gesagt, ich zweifele ziemlich stark (wer macht das nicht in diesen Zeiten?!), bekam aber die Rückmeldung und den Glückwunsch, dass ich dieses Jahr so viel Erfolg habe. Den registriere ich aber gar nicht bzw. er wird von Zweifel und Belastung schlicht überlagert. Gemeines Covid-19!

Gern gelesen, gesehen, gehört

Bibiana Steinhaus möchte nach ihrem Rückzug aus dem Profisport verständlicherweise ihre Ruhe. Daher interviewte Astrid Rawohl für DFL Sport Marina Wozniak. Ein schönes Interview und Porträt.

„Fazit: Wenn jemand ‚Ich helfe dir, …‘ schreibt, ist das Marketingbullshitblabla.“ Katrin Gildner findet wie so häufig die richtigen Worte. „‚Ich helfe dir, auf magnetische Art neue Kundinnen anzuziehen‘ – Nein, du verkaufst mir einen Pinterest-Kurs. Das garantiert nicht, dass ich über Pinterest wirklich neue Kundinnen finde. ‚Ich helfe Frauen, ihre Weiblichkeit zu finden‘ – Nein, du machst mit mir einen sechsteiligen Yogakurs und erzählst mir was von Yoni-Massage. Ob ich mich wirklich mit meinem Körper wohler fühle (oder was auch immer Weiblichkeit finden genau bedeuten soll) kannst du mir nicht versprechen.“ Danke für diese deutlichen Worte.

Lina Magull veröffentlichte im September ein Statement, das eigentlich jeder*m, der*die mit Fußball was am Hut hat, um die Ohren hätte sausen müssen. Aber andere Themen wie rund um Corona und Debatten über Regeln ließen es völlig untergehen. Nichts Ungewöhnliches. Leider.
Einfach unglaublich finden auch Justin Kraft für MiasanRot und Maximilian Rieger für den DLF.

Es sind nur 11% der Sportjournalist*innen Frauen. Woran das liegt, hat Marisa Reich für SportsPro analysiert. Sehr gut, sehr lesenswert!

Bekannterweise bin ich großer Fan von Legende Verloren. Im Oktober sind drei Folgen erschienen: Folge 3: PionierinnenFolge 4: Vom Dorfplatz in die Champions LeagueFolge 5: Fußball und Freundschaft. SV Wilhelmshaven.

Ellen Hanisch ist für das tolle Zeitspiel-Magazin zum Thema Fußball und Identität interviewt worden. Sie ist Fan von Eintracht Frankfurt, allerdings erst seit dieser Saison. Zuvor war die Fan des 1. FFC Frankfurt. Passend zur Oktober-Folge von FRÜF – Frauen reden über Fußball kramt sie außerdem in ihrem Kleiderschrank.

Sie setzt sich wiederholt dafür ein, dass alle Bundesligaspiele auch wirklich übertragen werden. Denn tatsächlich kam es wiederholt vor, dass die Übertragung zwar angekündigt wurden, aber dann doch ausfielen. „Ist nicht möglich.“, sagt ihr? „Was schreibt die da Irres?!“ Tja, wäre schön, wenn es so wäre. Ein Beitrag von Jessica Sturmfeld.

Anstoß, 10 Sekunden, Spielunterbrechung und Auswechslung ohne vorherige Verletzung. Lauri Suup von Nōmme Kalju hat nur kurz gespielt. Es war die schnellste Auswechslung der Nachkriegszeit und vielleicht auch seit jeher. Warum? In Estland müssen pro Team mindestens zwei Spieler aus der eigenen Jugend in der Startelf stehen. Normalerweise kein Problem, aber wegen Covid19-Fällen musste Kalju tricksen, stellten den Jugendspieler Suup in die Startelf und nahm ihn direkt nach Anpfiff wieder herunter.