Allgemeine Geschichte Ockenheim

Ockenheimer Winzerfest

Ein Winzerfest, das ist nichts Bingen-typisches, sondern war ursprünglich ein Abschlussfest eines jeden Weinguts nach der jährlichen Weinlese. Am letzten Tag schmückte man den oder die Wagen und fuhr durch die Gemeinde oder Stadt, um abschließend im Weingut auf Einladung der Winzerfamilie den Ernteabschluss zu feiern.” So schreibe ich zum Binger Winzerfest auf bingen.de – und das trifft auch auf Ockenheim zu.

Allerdings gibt es in Ockenheim erst am 1948 einen kommerzielleres Winzerfest – 20 Jahren nach Bingen und anderen Städten am Rhein. Dafür dann aber gleich richtig mit Kommers, Umzug und der Weinkönigin als repräsentativem Amt.

 

1948

Die Weinlese war noch in vollem Gange, da fand am Wochenende des 6. bis 8. November 1948 Ockenheims “erstes großes Erntedank- und Winzerfest nach dem Kriege” (AZ, 05.11.48) statt.

 

1948 – Das Programm

Am kommenden Samstag, Sonntag und Montag feiert das weitbekannte Weindorf Ockenheim sein.” (AZ, 05.11.48)

 

Samstag, der 6. November 1948

20:00 Uhr: Festkommers in der geschmückten Winzerhalle mit Auftritten der Ockenheimer Gesangvereine, des Turnvereins und der Oberklasse der Volksschule

 

Sonntag, der 7. November 1948

13:00 Uhr: Aufstellung des Winzerumzug am Ortseingang Richtung Gau-Algesheim

13:30 Uhr: Winzerumzug mit 25 Wagen und 3 Kapellen (nicht nur aus Ockenheim).
Zugreihenfolge: Mainzer Straße – Neustraße – Gartenstraße – Alleestraße – Hindenburgplatz – Bahnhofstraße – Mainzer Straße zur Winzerhalle

Anschließend: Festakt in der Winzerhalle Empfang. Ehrengäste:

  • Anneliese Dickenscheid,Ockenheimer Weinkönigin 1948
  • Ockenheimer Bürgermeister Philipp Weis
  • Patres vom Jakobsberg (damals Jesuiten)
  • Landrat Trapp
  • Genossenschaftspräsident Dr. Jolk (Frankfurt)
  • Ludwig Ruppel (Vertreter der Stadt Bingen)
  • Bürgermeister Burkhard (Heidesheim)

Danach: Vorträge von Gesangvereine

 

Montag, der 9. November 1948

19:00 Uhr: Martini-Tanz in der Gaststätte “Zur Eisenbahn” mit Kapelle August Kleisinger, Gau-Algesheim

 

Das Dorf des Weines am Fuße des Jakobsberges hatte seit vielen Wochen zu seinem ersten großen Erntedank- und Winzerfest nach dem Kriege gerüstet. Es war immerhin ein Wagnis, bei so später Jahreszeit noch ein derartiges Fest zu veranstalten. Und doch kann man unter Berücksichtigung der unsicheren Wetterlage am Sonntag den bisherigen Verlauf der Veranstaltung nicht nur als voll gelungen, sondern auch als eine Schau heimatlichen Winzerfleißes und starken Lebenswillens der Ockenheimer charakterisieren.“ (AZ, 10.11.48)

Das Winzerfest ist nun vorüber und damit ein durschlagender Erfolg für die Weinbaugemeinde Ockenheim, deren Vereine bei solchen Veranstaltungen immer das Beste leisten.“ (AZ, 13.11.48)

 

1949

Auch 1949 (und vielleicht auch in den folgenden Jahren) gab es ein solches Winzerfest. 1949 fand es jedoch nur am Sonntag, dem 9. November 1949 statt.

 

1949 – Das Programm

Vormittags: Feierliche Prozession vom Pfarrhaus zur Pfarrkirche mit Segnung der Feldfrüchte

14:00 Uhr: Festumzug mit über 25 Wagen und 3 Kapellen

  • Regina Feser, Ockenheimer Weinkönigin 1949
  • Bürgermeister Philipp Weis
  • Pfarrer Krämer
  • Landrat Trapp
  • Assessor Leberecht (Bingen)

Anschließend: Öffentliche Spitzenweinprobe im Vorhof des Gemeindehauses, die sehr gut angenommen wurde

Danach: Musik und Tanz in allen Ockenheimer Lokalen, wo man aber kaum Platz fand

Ockenheim kann mit Recht als das Dorf des Weines bezeichnet und gerühmt werden. Diesen Beweis hat es am Sonntag durch den großartigen Erfolg seines Erntedank- und Winzerfestes erbracht.“ (AZ, 11.10.49)

 

Programmheft 1948

Das zum Winzerfest 1948 veröffentlichte vierseitige Blättchen. Es gibt es auf rosafarbigem und orangefarbigem Papier, der Text und das Layout sind aber identisch.